Neue Bücher für sie gelesen:

 

 

Hermann Fischer

Stoff-Wechsel

Auf dem Weg zu einer solaren Chemie für das 21. Jahrhundert

 

Plädoyer für eine solare Chemie

Wer glaubt nicht allzu gerne den Versprechungen der Chemieindustrie, dass alles ganz leicht geht mit ihren Produkten, alles ganz sauber wird und weißer als weiß und wie diese wunderbaren Werbesprüche alle lauten. Nur, die Kehrseite ist den meisten Konsumenten nicht bewusst. So schrieb unlängst die ZEIT ganz richtig, dass die Folgen der „Chemie-kann-alles-Politik“: „... Giftbrühen im Abwasser (waren – und sind, Anm. des Verf.), krebskranke Fabrikarbeiter, der Bankrott der historischen Naturfarbenbranche und gleichzeitig der unaufhaltsame Aufstieg der Großchemie zu einer der wichtigsten und politisch einflussreichsten Branchen. Chemiker entdeck(t)en neue Synthesemethoden und erober(t)en sich einen Produktbereich nach dem anderen, Farben, Medikamente, Kunststoffe, Kleidung, Möbel, Spielzeug...“

Doch keiner sollte mehr sagen, er habe es nicht gewusst, das Öl geht zur Neige, der Klimawandel kündigt sich immer deutlicher an und Lebensmittelskandale erschüttern unser Vertrauen in die Industrie – und die Politik!

Dies wenigstens für die Chemie zu ändern, schickt sich der Autor schon seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts an; sein Plädoyer für eine sanfte, naturnahe Chemie liest sich spannend und ist hochinformativ, auch für Nicht-Chemiker.

Hermann Fischer ist in Braunschweig wahrhaftig kein Unbekannter – so man denn bereit ist, bei der Wohnungsrenovierung, beim Waschen und Spülen und überall dort, wo heutzutage gedankenlos Chemie eingesetzt wird, einmal innezuhalten und das eigene Tun zu hinterfragen. Wer über Alternativen nachdenkt, gerät ganz schnell an die in Braunschweig ansässige Firma Auro Naturfarben, deren Gründer der Autor ist. Sein Kampf für eine andere Chemie, die, wie er es nennt, solare Chemie, wurde inzwischen mit zahlreichen Preisen belohnt.

Der Titel des vorliegenden Buches –  „Stoffwechsel“ – bezieht sich nicht nur auf die in der Chemie eingesetzten Stoffe, sondern macht in einem schönen Wortspiel klar, das chemische Wandlungsprozesse die Basis allen Lebens sind.

Es wird, so der Autor zu Recht, der auf Erdöl aufbauenden sog. harten Chemie, die noch unangefochten vorherrscht und deren Produkte in fast jedem Alltagsgut zu finden sind ebenso wie den dabei entstehenden allgegenwärtigen Giftstoffen (mit zum Teil schlimmen Folgen für Mensch, Natur und Umwelt) höchste Zeit, dieser Chemie eine „Chemiewende“ entgegenzusetzen.

Der von Fischer geforderte „Stoff-Wechsel“ hin zu erneuerbaren Rohstoffen ist mehr als nötig. Kleine Andeutungen eines Weges in Richtung sanfte Chemie sind allerdings schon erkennbar, es gibt kompostierbare Plaste, Naturfarben, Duftstoffe, Kleber und vieles mehr, leider bislang noch in einem Nischendasein.

So wirbt der Verlag nur allzu richtig: „Hermann Fischer zieht in diesem Buch auch Chemie-Laien und -Verächter in seinen Bann. Ausgehend von der »konkreten Chemie« des Stoffwechsels in uns macht Fischer die Magie der Stoffe und Substanzen erfahrbar, die unsere dingliche Umwelt prägen … Die solare Chemie erlaubt, so der Autor, viele Alltagsprodukte relativ abfallarm, störfallsicher und energiesparend herzustellen. Er selbst ist optimistisch, dass die Zukunft dieser Form der Chemie gehört ... Sein Buch ist jedenfalls ein beeindruckendes Plädoyer für eine Chemiewende.“

Dem ist nichts hinzuzufügen, bis auf Erfahrungen, die der durchaus fachkundige Autor dieser Zeilen auch im Jahre sechs nach REACH noch machen musste: Es gibt, leider, immer noch Chemieunternehmen, die statt umfassender Stoffinformationen nur blumige Beschreibungen ihrer Produkte aus „harter Chemie“ anbieten und diese auch noch als „natürlich“ bezeichnen ...

Reinhard Siekmann

 

Hermann Fischer:

Stoff-Wechsel

304 Seiten, Gebundene Ausgabe

Kunstmann: München 2012

ISBN 978-3-88897-784-8, 19.95 €

 

 

 

Rudolf zur Lippe

Plurale Ökonomie

Streitschrift für Maß, Reichtum und Fülle

 

Mehr Raum für das Leben

Rudolf zur Lippe zeigt in seinem neuen Buch zur „Pluralen Ökonomie“ Wege auf, wie die ökonomische Theorie und die öffentliche Debatte zu Fragen der Wirtschaft aus ihrer einseitigen Verengung auf Optimierungsstrategien, Input-Output-Modelle und Kosten-Nutzen-Analysen zu befreien wären. Der Entfaltung des Lebens müsse mehr Raum gegeben werden. „Ökonomie und Kultur“ vereint Rudolf zur Lippe gleich zu Beginn seines neuen Buches zur „Pluralen Ökonomie“.

Die heutige Reduzierung der Ökonomie auf Kosten-Nutzen-Rechnungen wird ihr nicht gerecht. So wird vergessen, dass oikos im Griechischen Haus bedeutet, und also die Ökonomie als die Lehre vom Zusammenleben in einem gemeinsamen Haus zu verstehen ist. Zur Lippe spricht viele Selbstverständlichkeiten an, die heute vergessen sind oder interessengeleitet umgedeutet werden und denen die ökonomische Theorie und Debatte nicht Rechnung trägt. Kultur nennt er die „Gesamtheit der Lebensformen einer Gesellschaft“. So gesehen sind Ökonomie und Kultur untrennbar, und über diese Untrennbarkeit gilt es nachzudenken.

Rudolf zur Lippe wurde in Volkswirtschaftslehre promoviert. Als Künstler wagt er es, die ökonomische Debatte aus ihrer Verengung herauszuführen und auf die Fragen des Zusammenlebens hin zu öffnen.

Uwe Meier

 

Rudolf zur Lippe:

Plurale Ökonomie

232 Seiten, Kartoniert

Karl Alber: Freiburg 2012

ISBN: 978-3-495-48480-7, 16,- €

 

 

 

Fred Pearce

Land Grabbing

Der globale Kampf um Grund und Boden

 

Der globale Kampf um Grund und Boden

Das aus dem Englischen übersetzte Buch „Land Grabbing“ des Wissenschaftsjournalisten Fred Pearce über Landraub von Unternehmen, Regierungen, Fondsmanagern und privaten Investoren ist nichts für schwache Nerven. Das Buch ist erschütternd und desillusionierend. Eine höchst sachliche dreijährige Recherche auf allen Kontinenten liegt dem Buch zugrunde.

Land ist begehrt wie nie. Der Kampf um knappe Böden ist voll entbrannt und er wird rücksichtslos geführt – gegen die einheimische Bevölkerung und deren Entwicklungschancen. Dem Autor kann vertraut werden, weil er seine Urteile abwägt und auch positive Beispiele anerkennt. Insgesamt aber lässt Pearce keinen Zweifel, dass Land Grabbing eine verheerende Entwicklung darstellt, die von schwachen Regierungen unterstützt wird. Es geht um nachhaltigen Profit mit Soja, Palmöl, Fleisch und Holz. Und wir, also auch Sie und ich in den reichen Ländern, profitieren davon, z. B. über das billige Fleisch. Diese unvoreingenommene Analyse ist ein Muss für alle, die in der Welt-Agrarproblematik mitreden wollen.

Uwe Meier

 

Fred Pearce:

Land Grabbing

400 Seiten, Gebundene Ausgabe

Kunstmann: München 2012

ISBN 978-3-88897-783-1, 22,95 €

 

 

 

Ute Scheub, Haiko Pieplow, Hans-Peter Schmidt

Terra Preta

Die Schwarze Revolution aus dem Regenwald

 

Schwarze Erde aus dem Regenwald

Aus dem Buch „Terra-Preta – Die schwarze Revolution aus dem Regenwald“ lässt sich mehr entnehmen als das Rezept nach dem Motto „Man nehme…“, wie aus unfruchtbaren Böden fruchtbare herzustellen sind. Wie der Titel schon sagt „Schwarze Revolution“ – und Revolutionen sind immer mit sozialen Veränderungen verbunden. Der Terra Preta, der von Menschenhand gewonnenen und hoch fruchtbaren Schwarzerde, wird in diesem Buch in aller Breite und interdisziplinär nachgegangen. Die Entdeckungsgeschichte von Terra Preta wird beschrieben, die Bedeutung des fruchtbaren Bodens für die Entwicklung von Kulturen und Wohlstand, die Herstellung im großen und vor allem im kleinen Stil für unsere Gärten und der Nutzen für alle, die organische Reststoffe produzieren. Das Buch zeigt Chancen auf und hat damit einen zukunftsweisenden Wert. Es zeigt, wie unachtsam wir mit uns selbst, dem Leben und unserer Welt umgehen, und damit auch mit unserer Kultur. Das Buch zeigt erfolgreiche Beispiele, dass es auch anders gehen kann, denn die Ressourcen, so auch die lebensentscheidenden wie Phosphor, gehen zu Ende. Das Buch ist für all die lesenswert, die leicht lesbare Zusammenhänge zwischen Boden und  Leben erkennen wollen.

Uwe Meier

 

Ute Scheub, Haiko Pieplow, Hans-Peter Schmidt:

Terra Preta

208 Seiten, Paperback

oekom-verlag: München 2013

ISBN: 978-3-86581-407-4, 19,95 €

 

 

 

Kirsten Diekamp, Werner Koch

Eco-Fashion

Top-Labels entdecken die Grüne Mode

 

Wie ökologisch ist „Ökokleidung“?

Obwohl schon 2010 im Stiebner Verlag erschienen, dürfte das Buch nach wie vor topaktuell sein. Das mag daran liegen, dass die Verfasser Kirsten Diekamp und Werner Koch das Thema Grüne Mode in seiner ganzen Bandbreite abhandeln und dennoch ein geradezu mit Spannung lesbares Handbuch zum Thema vorlegen.

Eine gründliche Recherche springt ins Auge. Die vielfältigen Aspekte vom Stellenwert der Natur- und Chemiefasern, dem technischen Stand der Garnherstellung aus nachwachsenden Rohstoffen, den ökologischen Belastungen der Ökosysteme in der Fertigungskette vom Rohstoff bis zum Endprodukt, der  Ausbeutung, insbesondere von Frauen und Kindern, unter den Produktionsbedingungen außerhalb Europas, sind sachkompetent dargestellt. Fakten und Zahlen können einfach überprüft und aktualisiert werden.

Zu Beginn analysiert ein zeitgeschichtlicher Rückblick die verschiedenen  Entwicklungsphasen der „Öko-Mode“ vom sogenannten „Müsli-Look“ der 1970/80er Jahre bis zum heutigen High-Fashion-Stil namhafter Modehäuser und Designer. Es scheint paradox, dass ihre Wurzeln ausgerechnet in der radikalen Ablehnung von Mode überhaupt und den darüber transportierten weiblichen Rollenklischees sowie in der kritischen Haltung gegenüber Konsum und Gesellschaft zu finden sind.

Ein Blick auf die Stoffe

Nach dem Imagewandel, den die Ökomode durchlaufen hat, nach den inhaltlichen Erweiterungen, die der Begriff erfahren hat, widmet sich das Buch der Baumwolle – beliebteste Naturfaser. Es geht um den konventionellen Anbau, der enorme ökologische Probleme aufwirft, den nur scheinbaren Vorteil von genverändertem Saatgut und der im Vergleich besseren ökologischen Bilanz von Biobaumwolle. Die Bedeutung anderer pflanzlicher und tierischer Naturfasern wird herausgestellt und über Kunstfasern aus nachwachsenden Rohstoffen wie Cellulose, Fasern aus Mais, Milch oder Soja informiert. Weitere Kapitel behandeln „Chemie und Farben“ und „Fair Trade“.

Wer mehr als die dezente Farbskala von Naturfarben begehrt, sollte über den Herstellungsprozess von Farben, die industrielle Färbung von Stoffen und die Gerberei von Leder Bescheid wissen. Der verantwortungslose Umgang mit Chemiefarben und Bleichmitteln vergiftet an vielen Produktionsstandorten der Welt Natur und Menschen. Kontrollen der nachgeordneten Zulieferer in den Entwicklungs- und Schwellenländern durch die europäischen Textilunternehmen werden selten überzeugend durchgeführt. Das Unterlaufen von vereinbarten Standards bleibt deshalb gang und gäbe.

Zum Glück sind Naturtextilfarben inzwischen so weit entwickelt, dass sie wie Chemiefarben eingesetzt werden können. Die Verfasser machen darauf aufmerksam, dass in der Bekleidungsbranche das fehlt, was wir aus dem Nahrungsmittelbereich bereits kennen, nämlich die Deklarierung von Inhaltsstoffen, im Fall von Bekleidung die Deklarierung der chemischen Belastung.

Ein Blick auf die Produktion

Die ökonomischen Produktionsbedingungen wie Verbot von Kinderarbeit, Arbeitszeitenregelung, existenzsichernde Löhne, Arbeitsplatzhygiene interessiert die westliche Textilindustrie kaum. Vorreiter sind Öko-Firmen, die sich auf freiwilliger Basis verpflichten, Sozialstandards einzuhalten. In Deutschland garantiert seit 2007 das Label Fairtrade Certified Cotton einen kontrollierten Handel, der den Erzeugern ein besseres Einkommen ermöglicht und die Einhaltung von Sozialstandards in der Textilverarbeitung garantiert.

Zum Schluss geben die Verfasser einen Überblick über die Vielzahl von Zertifizierungen und die weltweit tätigen Institutionen, „die dafür sorgen, dass ökonomische, ökologische und soziale Bedingungen entlang der textilen Kette eingehalten und transparenter werden.“ Seit 2008 garantiert der Global Organic Textilstandard (GOTS) weltweit diese Ziele. Ein „Kleines Grünes Lexikon“ enthält wichtige Informationen zum Thema „Textilien“.

 „Eco-Fashion“ ist ein sehr spannendes Buch mit Nachschlagecharakter, ein „must have“ für Modeaficionadas, kritische Verbraucher und Personen, die dazu beitragen können, das „grüne Segment“ auf dem Modemarkt voranzubringen.

Susanne Labus

 

Kirsten Diekamp, Werner Koch:

Eco-Fashion

224 Seiten, Klappenbroschur

Stiebner-Verlag: München 2010

ISBN 978-3-8307-0868-1, 29,90 €

 

 

 

Gustav Bergmann, Jürgen Daub

Das menschliche Maß

Entwurf einer Mitweltökonomie

 

Für eine Mitweltökonomie

Ernst F. Schumacher veröffentlichte vor rund 40 Jahren sein wegweisendes Werk „Small is beautiful“ (Deutsch: „Die Rückkehr zum menschlichen Maß“), in dem er eine Ökonomie der kleinen, demokratischen Strukturen entwarf, bis heute leider erfolglos. Es ist kein Zufall, wenn sich der Siegener Wirtschaftswissenschaftler Gustav Bergmann und sein Co-Autor, der Sozialwissenschaftler Jürgen Daub, mit dem Haupttitel „Das menschliche Maß“ ihres „Entwurfs einer Mitweltökonomie“ an Schumachers Buch anlehnen. Beide greifen Schumachers Thesen auf und versuchen, ausgehend von einer „Kritik der politischen Ökonomie des frühen 21. Jahrhunderts“, den Gegenentwurf zu wagen.

Hauptanliegen ist ihnen dabei eine Gesellschaft des Ausgleichs, sie erkennen und belegen, dass unsere demokratischen Gesellschaften die bestehenden Ungerechtigkeiten nicht lange durchhalten können. Das Buch umfasst 12 Hauptkapitel, die wiederum in viele kleinere Unterkapitel unterteilt sind, die teilweise sehr plakativ überschrieben sind. Von – zutreffenden – Plattitüden wie „Die Logik des freien Marktes: Ruinieren Sie Ihren Nächsten“ sollte sich niemand abschrecken lassen, dieses Buch zu lesen. Es ist äußerst lesenswert, gut recherchiert und auch für Nichtakademiker verständlich geschrieben. Es gibt eine Menge Anregungen, wo jede und jeder Einzelne mit Veränderungen ansetzen kann.

Stefan Vockrodt

 

Gustav Bergmann, Jürgen Daub:

Das menschliche Maß

304 Seiten, Broschiert

oekom-verlag: München 2012

ISBN-13: 978-3-86581-305-3, 24.95 €

 

 

 

Richard Reynolds

Guerilla Gardening

Ein botanisches Manifest

 

Lebendiges Grün gegen totes Grau

Guerilla Gardening, oder auf Deutsch Guerilla Gärtnern, war schon öfter Thema in der Umweltzeitung. Einer der Initiatoren dieser Bewegung – er selbst versteht sie als solche – ist Richard Reynolds, dessen Internetseite www.guerrillagardening.org sich selbst als Heimat von 24 der wichtigsten britischen Gärtner bezeichnet. Im orange press Verlag liegt Reynolds „Guerilla Gardening – ein botanisches Manifest“ nun auch in deutscher Sprache vor.

Für alle diejenigen, die gerne etwas mehr Grün in städtisch-tristen Umgebungen verbreiten, ist dies ein sehr nützliches Buch, es gibt nicht nur Tipps zum Bau von Samenbomben, sondern auch zur Anlage kleiner Nutzgärten auf freien Flächen.

Was jedoch etwas enervierend ist, ist der missionarische Ton, den Reynolds anschlägt, indem er auch die diversen Initiativen für „Transition Towns“ oder „Urban Gardening“ quasi zu Unterabteilungen des „Guerilla Gardenings“ erklärt. Auch stört der mitunter arg militante Ton; der Autor tut so, als sei sein Werk der Weg zur Rettung der Welt, was mit Verlaub Quatsch ist.

Wer sich daran nicht stört, die entsprechenden Passagen umfassen zwar ein gutes Drittel des Buches, lassen sich aber leicht überblättern, wird hier eine Menge an Anregungen und Tipps finden, die sich auch im eigenen Garten verwerten lassen.

Stefan Vockrodt

 

Richard Reynolds:

Guerilla Gardening

270 Seiten, Klappenbroschur, zahlreiche Fotos

orange press: Freiburg Jahr 2010

ISBN 978-3-936086-44-7, 20,00 €

 

 

 

Worm, Thomas / Karstedt, Claudia

Lügendes Licht

Die dunklen Seiten der Energiesparlampe

 

Ein Lob der Birne

Nun sind sie also verboten, die Glühbirnen und manche haben sich rasch noch hamsterweise mit ihren liebsten Leuchtmitteln eingedeckt. Im Grunde ist fast alles gesagt und geschrieben, was für oder wider die gute alte Funzel gesagt werden kann und muss. Und dass die Gasentladungslampen (auch Energiesparlampen genannt) nicht der Weisheit letzter Schluss sind, wird auch vielen inzwischen bekannt sein.

Dennoch sei ein Buch vorgestellt, das die Debatte noch einmal – allerdings parteiisch pro Glühlampe – zusammenfasst. Die Autoren Thomas Worm und Claudia Karstedt brechen in „Lügendes Licht“ noch einmal eine Lanze für die Glühbirne, die in Spezialfällen ja auch weiterhin erhältlich ist, so als so genannte „Heat Bulbs“ (Heißbirnen) bei einigen halblegalen Spezialanbietern …

Zuerst stellen sie – mitunter arg polemisch – die aktuellen Leuchtmittel im Vergleich zur Glühbirne vor. Ob das Licht von Energiesparlampen tatsächlich, wie sie und auch andere behaupten, augenschädlich ist, sei dahingestellt. Die Lichtspektren sind unterschiedlich und der Wolframdraht bot in etwa das Leuchtspektrum der Kerzenflamme, weshalb ihn viele von Anfang an als angenehm empfanden, anderen war vor über 100 Jahre das damals neue Licht auch schon zu grell. Tatsächlich sollten gut Leuchtmittel Licht im Tageslichtspektrum bereitstellen, also so, wie es von der Sonne kommt – das ist allerdings nicht „warm“, wie viele Glühlampenfans glauben, sondern hat ebenfalls recht hohe Blau-Anteile.

An diesem Buch lässt sich viel kritisieren, formales (Einheiten und Rechnungen der Autoren sind teilweise falsch) aber auch an der klaren Tendenz, dennoch ist Thomas Worm und Claudia Karstedt ein lesenswertes und anregendes Buch gelungen, dass auch über das Verbotsdatum der Glühbirne hinaus aktuell und lesenswert bleibt.

Stefan Vockrodt

 

Worm, Thomas / Karstedt, Claudia:

Lügendes Licht

254 Seiten, Kartoniert, 13 s/w Abb., 10 farb. Abb.

S. Hirzel: Stuttgart 2011

ISBN 978-3-7776-2120-3, 19,80 €

 

 

 

Stadt Salzgitter in Kooperation mit dem Naturschutzbund Deutschland, Kreisgruppe Salzgitter

Naturatlas Salzgitter

Naturschönheiten in Salzgitter

 

Warum in die Ferne schweifen …

Warum in die Ferne schweifen, wenn vor den Toren Braunschweigs, zum Beispiel im Stadtgebiet Salzgitter, unbekannte Naturschönheiten zu entdecken sind, die mit dem Fahrrad oder zu Fuß bei einer Anreise mit Buslinien der KVG Braunschweig zu entdecken sind?

 

„Gibt es so etwas überhaupt im Stadtgebiet Salzgitter, Naturschönheiten …?“, mag sich manche, mancher fragen.

Salzgitter: flächenmäßig eher klein, jahrhundertelang durch den Abbau von Eisenerz, mehrere Jahrhunderte durch Salzgewinnung, geprägt, wichtiger Industriestandort mit Binnenhafen, durchzogen von Verkehrslinien, weiträumig Ackerland mit begradigten Flüssen und entwässerten Auen. Wo bitte finden sich hier Naturschönheiten?

Und es gibt sie doch

Doch, es gibt sie. Wer mit offenen Sinnen und offenem Herzen zu sehen weiß, entdeckt die landschaftlich schöne Seite unter der industriellen und agrarischen Überprägung, entdeckt Natur. Oft ist es „Natur aus zweiter Hand“ – wie der „Neue Teich“, ehemaliger Saline-Stauteich oder die Erzklärteiche „Heerter See“ und „Reihersee“ oder das Erztagebaugebiet „Haverlahwiese“, die nach Beendigung des Erzabbaus unter den lenkenden Händen der Naturschutzbehörde und der Naturschutzverbände von der Natur zurückerobert werden. Oder es sind Gebiete, die von einer vorindustriellen landwirtschaftlichen Nutzung zeugen, wie etwa der „Speckenberg“, das Gebiet „Fuchsberg, Beinumer Wald“.

Den Blick dafür schärft der „Naturatlas Salzgitter“, gegen Ende 2012 von der Stadt Salzgitter herausgegeben und in Kooperation mit dem Naturschutzbund Deutschland, Kreisgruppe Salzgitter, entwickelt.

Der Naturatlas besteht aus elf Faltblättern. Das erste gibt einen Überblick über die räumliche Lage von zehn ausgewählten natur- und heimatkundlich bedeutenden und landschaftlich reizvollen Zielgebieten im Stadtgebiet. Diese werden textlich und interessant bebildert mit einem jeweils eigenen Faltblatt im Hinblick auf Entstehung und Entwicklung, schützenswerte Lebensräume und Lebensgemeinschaften, Naturerlebnismöglichkeiten und die ÖPNV-Erreichbarkeit, auch von Braunschweig aus, vorgestellt. Aber dann fehlt etwas, das Bestandteil hätte sein müssen.

Will man sich nach ausgiebigem Studium der Naturinformationen auf den Weg machen, weil Himmelblau und Sonne locken, die Frühlingsblüher bereits bunte Teppiche bilden oder die Kraniche zurückkehren, stellen sich wesentliche Fragen: Nämlich wie geht es weiter, wie gehe ich weiter, wenn ich an der angegebenen Bushaltestelle ausgestiegen bin? Finde ich Wege vor? Gibt es Rundwege? Welche Wege wähle ich am besten aus, um das, was als Naturerlebnis so verlockend angeboten wurde, auch möglichst wahrnehmen, danach suchen zu können? Hier ist „Ende im Gelände“. Hoffentlich läuft die „Aktion Naturerlebnis“ so nicht ins Leere.

Susanne Labus

 

Naturatlas Salzgitter

Die Faltblätter sind kostenlos erhältlich im Rathaus Salzgitter-Lebenstedt, Joachim-Campe-Str. 6-8, 38226 Salzgitter, bei der Touristinformation Salzgitter-Bad, Windmühlenbergstr. 20, 38259 Salzgitter und beim NABU Naturschutzbund Salzgitter, Kurt-Schumacher-Ring 4, 38228 Salzgitter.Sie können kostenlos heruntergeladen werden auf der Homepage der Stadt Salzgitter: www.salzgitter.de/rathaus/fachdienstuebersicht/umwelt/naturatlas.php

 

 

 

Friedrich Walz (Hrsg.)

Braunschweig im Zeichen des Verkehrs

1912: Eine Zeitreise

 

Vor hundert Jahren - Das Jahr 1912 für Braunschweigs Verkehr

Vor einhundert Jahren sah die Welt nicht viel besser aus als heute, auch wenn diverse Nostalgiker uns das einreden möchten. Das gilt auch für die Zeit vor einhundertundein Jahren. Dies zeigt eine Broschüre, die der ehemalige Ratsherr Friedrich Walz nun herausgegeben hat: „Braunschweig im Zeichen des Verkehrs – 1912: Eine Zeitreise “.

Walz hat die Braunschweiger Zeitungen des Jahrgangs 1912 durchforstet und chronologisch Anzeigen, Artikel und Kurioses zusammengesucht, das sich 1912 dem Verkehrswesen widmete. Dass auch in den Braunschweiger Blättern die Titanic-Katastrophe regen Anklang fand, versteht sich von selbst; aber auch die Eisen- und Straßenbahnen der Stadt, der Autoverkehr und vor allem die Luftschiffeuphorie der letzten Vorkriegsjahre ziehen sich durch das Jahr. Daneben tagte der Deutsche Rad-Fahrer Verein in Braunschweig, es wurden Spenden für den Aufbau der Luftwaffe (hieß damals noch nicht so) gesammelt und jedes neue Automobil, auch aus hiesiger Produktion ausführlich bejubelt. Interessant auch die Fahrpreise für Sonntags-Ausflugskarten per Bahn.

Stefan Vockrodt

 

Friedrich Walz (Hrsg.):

Braunschweig im Zeichen des Verkehrs

96 Seiten, Broschüre, DINA 4, sw

Fritz Walz: Braunschweig 2012

6,-- €

Erhältlich beim Herausgeber (Email: e.walz@tu-braunschweig.de)

sowie den Buchhandlungen Pfannkuch und Goeritz in Braunschweig.

 

 

 

Internationale Bauausstellung Hamburg (Hrsg.)

Energieatlas

Zukunftskonzept Erneuerbares Wilhelmsburg

 

Erneuerbares Wilhelmsburg

Sie gelten als Experimentallabore für Stadtplanung und Städtebau, die internationalen Bauausstellungen (IBA). Dieses Jahr zeigt eine IBA in Hamburgs „Problemstadtteil“ Wilhelmsburg, wie aus alten Industriequartieren mit vielen sozialen Brennpunkten attraktive Wohn- und Arbeitsgebiete werden können. Dabei stehen auch in Wilhelmsburg technische Lösungen im Vordergrund.

 In Anbetracht der schlichten Tatsache, dass derzeit über 50 Prozent der Menschheit in Städten leben und diese Städte für mehr als zwei Drittel aller Umweltschäden verantwortlich sind, obgleich sie nur zwei Prozent der Erdoberfläche bedecken, ist eine „Ökologisierung“ der Städte dringend notwendig. Dabei steht auch bei der IBA in Wilhelmsburg der Energie- und Ressourcenverbrauch im Vordergrund, die Stadt als Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren (s. S. 7) ist nur eine Randerscheinung.

Die Kernfragen des IBA-Konzeptes sind: Wie kann eine Stadt in kürzester Zeit auf ein nachhaltiges Energiesystem umgestellt werden? Wie kann die Energie effizient genutzt werden? Wie viel Mobilität ist in Zukunft nötig, oder besser, möglich? Dahinter versteckt sich die Grundfrage: Wie wollen (können) wir in Zukunft leben?

Bei der IBA in Hamburg-Wilhelmsburg versuchen die Planer, Klimaschutz, wirtschaftliche Entwicklung, gerechte Bildung, Kultur und Integration bei der Lösungssuche zusammen zu denken. Was Ihnen dazu eingefallen ist, kann in diesem Jahr auf den Elbinseln bewundert werden. Die einzelnen Aspekte werden auch in diversen Publikationen vorgestellt. Eine ist der Energieatlas – „Zukunftskonzept Erneuerbares Wilhelmsburg“ –, der die diversen Projekte zu einer möglichst nachhaltigen, auf erneuerbaren Quellen basierenden Energieversorgung für Wilhelmsburg vorstellt.

Ob der Energiebunker oder der Windmühlenberg auf der ehemaligen Mülldeponie Georgswerder, ob vorsichtig und auch Denkmalschutzaspekte berücksichtigende Haussanierungen – was an technischen Möglichkeiten heute besteht, zeigt diese IBA in höchst konzentrierter Form. Ein Besuch lohnt ebenso wie die Lektüre des Energieatlas.

Stefan Vockrodt

 

Internationale Bauausstellung Hamburg (Hrsg.):

Energieatlas

224 Seiten, Klappenbroschur, viele farbige Abbildungen

Jovis Verlag: Berlin 2010

ISBN 978-3-86859-076-0, 29,80 €

 

 

 

Hansjörg Küster

Die Entdeckung der Landschaft

Einführung in eine neue Wissenschaft

 

Landschaften entdecken

Der Autor Hansjörg Küster beschreibt Landschaften. In Europa. Wie sie entstanden sind, wie sie genutzt werden und was ihre besonderen Merkmale sind. Es handelt sich durchweg um Kulturlandschaften, die mit der menschlichen Entwicklung und Kultur eng zusammenhängen. Die Kultur des Menschen und die vor der Besiedlung vorgefundenen Bedingungen geben jeder Landschaft ihren einzigartigen Charakter. Dieser ist nie gleichbleibend, sondern einer ständigen Entwicklung unterworfen.

Es bleibt nicht aus, dass Küster auch in die Kulturgeschichte einsteigt und immer wieder auf den Einfluss des Menschen hinweist, der Nahrung anbauen und Wohnraum schaffen musste. „Alles was wir tun schlägt sich in Landschaft nieder“, so Küster, und begründet die „Landschaftswissenschaften“ als neue Wissenschaft, um das Einmalige herauszufinden und zu beschreiben.

Wie es sich für einen renommierten Professor (Uni Hannover) gehört, hat das Buch ein ausführliches Sach- und Autorenregister. Es ist leicht verständlich zu lesen und richtet sich an alle, die in und mit der Natur arbeiten oder natürliche Landschaften einfach nur schön finden.

Uwe Meier

 

Hansjörg Küster:

Die Entdeckung der Landschaft

361 Seiten, Paperback, 65 überwiegend farbigen Abbildungen

C.H.BECK: München 2012

ISBN 978-3-406-63702-5, 17,95 €

 

 

 

Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB e.V.), Arbeitsstelle Weltbilder e.V., Institut für angewandte Kulturforschung e.V. (Hrsg.)

global.patrioten

Begegnungen, Positionen und Impulse zu Klimagerechtigkeit, Biologischer und Kultureller Vielfalt l

 

Positiv und spannend

Von der Aufmachung bis zum Inhalt –dies ist ein positives Buch, weil es positive Erwartungen weckt, die nicht enttäuscht werden. In diesem Sammelband kommen Menschen unterschiedlichster Kulturen zu Wort und werden auch im Bild in Szene gesetzt. Alle stellen uns aus ihrer spezifisch kulturellen Sicht ihre Erkenntnisse zu Klimawandel, Biodiversität und kultureller Vielfalt zur Verfügung. In dem fröhlich aufgemachten Buch ziehen sie ihre Schlüsse aus ihrem jeweiligen kulturellen Kontext und Wissen, und plädieren für einen grundlegenden Wandel. Das Buch ist spannend, weil es bei gleicher Problematik aus sehr unterschiedlichen Perspektiven unterschiedliche kulturell bedingte Lösungsansätze bietet.

Uwe Meier

 

Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB e.V.), Arbeitsstelle Weltbilder e.V., Institut für angewandte Kulturforschung e.V. (Hrsg.):

Global.patrioten

128 Seiten, Paperback

Oekom: München, 2012

ISBN-13: 978-3-86581-297-1, 24.95 €

 

 

 

Richard Heinberg

Jenseits des Scheitelpunkts

Aufbruch in das Jahrhundert der Ressourcenerschöpfung

 

Freiwillige Deindustrialisierung

Das 2007 in Kanada erschienene Buch, das nun in Übersetzung vorliegt, beschreibt zunächst gut lesbar und verständlich und mit erkennbarer Emotionalität die Problematik der kommenden Energieknappheit. Dieses nicht nur, aber besonders am „Peak-Oil“. Heinberg lässt wenig Hoffnung für die Zukunft zu, wenn es der Weltwirtschaft nicht endlich gelingt, sich von fossilen Energieträgern unabhängig zu machen.

Der Autor verlangt eine kulturelle Wende. Richard Heinberg stellt eine freiwillige Deindustrialisierung zur Diskussion. Das macht er unter anderem am Beispiel der Landwirtschaft deutlich, die ökologisiert werden müsse. Heinberg fordert ein „soziales Marketing“ und die Abkehr vom „billigen Konsum“, den er ausgetauscht sehen möchte in menschliche Werte.

Uwe Meier

 

Richard Heinberg:

Jenseits des Scheitelpunkts

228 Seiten, Paperback, Edition Sonderwege

Manuscriptum Verlagsbuchhandlung Thomas Hoof KG: Ort 2012

ISBN 978-3-937801-88-9 , 19,90 €

 

 

 

Herausgegeben vom Verein Gaia e.V., Konstanz, St. Gallen, Zürich

GAIA

Ökologische Perspektiven für Wissenschaft und Gesellschaft

Rio+20 – 20 Years After the Earth Summit

 

Perspektiven ökologischer Wissenschaft

1992 fand der Erdgipfel in Rio de Janeiro statt, der mit der verkündeten „Agenda 21“ Hoffnungen weckte, die bis heute unerfüllt blieben – wir haben in Heft 3/2012 die Folgen(losigkeit) dieses Gipfels als Schwerpunkt behandelt. Auch 1992 gründeten ökologisch orientierte Natur- und Sozialwissenschaftler die Zeitschrift „Gaia“, die sich auf hohem theoretischem Niveau mit den „ökologischen Perspektiven für Wissenschaft und Gesellschaft" befasst. Jedes Heft umfasst heute 80 Seiten, die Artikel sind meist zweisprachig, deutsch und englisch. Im Heft 1/2012 bildete auch der Erdgipfel von Rio, beziehungsweise sein lauer Aufguss „Rio+20“ das Hauptthema des Heftes. Die Beiträge lassen die Ideen und ihre Umsetzung aus wissenschaftlicher Sicht Revue passieren, zwei Schwerpunktbeiträge widmen sich den Nachhaltigkeitsstrategien unseres Nachbarlands Schweiz und dem Abkommen über die biologische Vielfalt und seine Auswirkungen auf die Naturschutzpolitik. Ein weiterer Artikel ist dem Thema „Bioökonomie am Scheideweg. Industrialisierung von Biomasse oder nachhaltige Produktion?“ gewidmet.

Neben dem Schwerpunktthema bietet jedes Heft Beiträge zu allgemeinen ökologischen Forschungsthemen, Buchvorstellungen und wissenschaftliche Kurzmeldungen. Die weiteren Hefte des Jubiläumsjahrgangs widmeten sich unter anderem dem 40-jährigen „Jubiläum“ der „Grenzen des Wachstums“ sowie Rachel Carson, deren 1962 erschienenes Buch „Silent Spring“ manchen als Initialzündung moderner Umweltpolitik gilt. Das aktuelle Heft 4 behandelt das 20-jährige Jubiläum der Zeitschrift selbst. Die Lektüre der Beiträge erfordert Zeit und Vorbildung, lohnt aber.

Stefan Vockrodt

 

GAIA

Heftnummer: 1 – 2012

Oekom: München 2012

ISSN: 0940-5550

Preis (Einzelheft): 26,80 €

Vier Hefte (je 80 Seiten) im Jahr, Jahresabonnement 98,70 € (Privatpersonen)

 

 

 

Eva Goris, Claus-Peter Hutter

Der Duft-Code

Wie die Industrie unsere Sinne manipuliert

 

Vom Duften und Stinken

Es gibt Bücher, die liest man in einem Rutsch, weil sie so spannend oder fesselnd sind; es gibt Bücher, durch die quält man sich hindurch, weil man sie lesen muss – und es gibt Bücher, die liest man, weil man wissen will, was eigentlich Ziel und Zweck des Buches sein soll. Zu letzterer Kategorie gehört nach dem Eindruck des Rezensenten "Der Duft-Code".

Wer erwartet hätte, dass nach dem furiosen Auftakt der ersten Kapitel weiter gnadenlos mit der Duftindustrie und ihren Manipulationen unseres Konsumverhaltens abgerechnet wird, wird enttäuscht.

Interessant ist hingegen die Darstellung der Historie der Düfte, und wie wir seit Urzeiten auf diese reagieren – unbewusst reagieren; nirgends wird dies deutlicher, als wenn wir jemandem im wahrsten Sinne des Wortes näherkommen. Wenn sich beide buchstäblich nicht riechen können, läuft da gar nichts, auch der Versuch, den eigenen Duftcharakter mit Parfum zu überlagern, nutzt da wenig.

Apropos Parfum: Auch diese Kapitel sind hochinformativ. Wo kommen Düfte her, warum werden sie von Pflanzen (oder Tieren) produziert und wie wirken sie – alles hochspannend, hat aber mit dem Untertitel dieses Buches wenig bis gar nichts zu tun.

Ein Fazit ist jedoch korrekt: Wer meint, sich einnebeln zu müssen statt sich zu waschen, stinkt sensiblen Mitmenschen gewaltig. Dauerndes ungewünschtes Duftbombardement führt sicher nicht zu gedeihlichem Miteinander, das sollte in der Tat jeder wissen, der meint, den Industriesprüchen von Aprilfrische oder dergleichem Schwachsinn glauben zu müssen. Als interessanter historischer Abriss und Einstieg in die Wirkungsweise von Düften ist dieses Buch dennoch lesenswert.

Reinhard Siekmann

  

Eva Goris, Claus-Peter Hutter:

Der Duft-Code

288 Seiten, Paperback, Klappenbroschur

Heyne: München 2011

ISBN: 978-3-453-20001-2, 17,99 €

 

 

 

Tagungsband

Die Rückkehr der Wölfe

 

Mit dem Wolf leben lernen

Die Wölfe sind nach Deutschland zurückgekehrt. Die einen frohlocken, die anderen sind entsetzt. Urängste werden wieder wach; daran konnten auch jahrzehntelange Verhaltensforschungen an Wölfen nichts ändern. Sie zeigen, wie bewundernswert ihr Sozialverhalten im Rudel ist, wie menschenscheu sie sind und wie schnell sie sich an geänderte Kulturlandschaften anpassen können. Obwohl es Wölfe früher in ganz Europa gab und in einigen Ländern noch immer gibt, ist in Deutschland das Rotkäppchendenken des „bösen Wolfes“ in vielen Köpfen fest verankert.

Zehn Jahre ist es her, seit nach Ausrottung der Wölfe wieder die ersten freilebenden Wolfswelpen in Deutschland geboren und aufgezogen wurden. Ihre Eltern kamen aus Westpolen und siedelten sich in der Lausitz an. Inzwischen leben in Sachsen, Brandenburg und Sachsen- Anhalt mehrere Wolfsrudel, und es ist damit zu rechnen, dass sie sich weiter ausbreiten und auch Niedersachsen und den Harz besiedeln werden.

Darum war es dringend notwendig, dass sich die Fachleute, die sich in den verschiedensten Fachgebieten mit Wölfen beschäftigen, zusammensetzen, ihre Erfahrungen austauschen und vor allen Dingen auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich machen.

Es ist dem NABU und der Beatrice-Nolte-Stiftung zu verdanken, dass eine Tagung verwirklicht werden konnte, deren Vorträge nun in einem zusammenfassenden Buch veröffentlicht vorliegen.

Besonders wichtig ist es für die „Wolfserwartungsländer“ von den Untersuchungen, Beobachtungen und dem Wolfsmanagement der Länder zu profitieren, die seit mehreren Jahren von Wölfen besiedelt sind. Durch eine zehnjährige Untersuchung an Wolfslosung konnten aus den darin enthaltenden Knöchelchen und Haaren festgestellt werden, dass sich die Wölfe der Lausitz hauptsächlich von Rehen, in geringerem Maße von jungen Hirschen und Wildschweinen ernähren.

In Osteuropa ist das Leben mit  Bären, Wölfen und Luchsen normal, es gibt sie hier seit Jahrtausenden, man kennt sich. Große Hirtenhunde schützen die Schafherden. In einer zweijährigen Studie in Rumänien wurde festgestellt, dass durch Raubtiere (Bär, Wolf, Luchs, Fuchs) bei den Herden Verluste von etwa 2 Prozent eintreten. Auch über Erfahrungen der Farmer und Schäfer in Kanada, den USA, der Schweiz, Italien und im Bayrischen Wald wird berichtet. Den besten Schutz geben Elektrozäune und besondere Herdenschutzhunderassen. In Brandenburg halten Schäfer mittlerweile über 50 Hunde der Rassen Pyrenäen-Berghund und Maremmano.

Da sich ein großer Teil der Jägerschaft dem Wolf gegenüber sehr ablehnend verhält, ist es erfreulich, dass sich auch Jäger aus Wolfsgebieten äußern.

Eine große Hilfe ist das Schlusskapitel. Es führt auf sieben Seiten eine Liste mit ausgewählten Literaturtiteln und Internetlinks auf: wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Bücher, Zeitschriftenbeiträge, Broschüren und Faltblätter, englischsprachige Literatur und Internetquellen. Außerdem sind Literaturangaben zu Schwerpunktthemen zusammengefasst, wie Räuber-Beute-Verhältnis, Wolfsforschung, Wolf-Management, Jagdzeitschriftenartikel, Geschichte und Herdenschutz.

Ein Buch, das für jeden interessant ist, nicht nur für Fachleute. Es ist einfach wichtig, dass durch die vorliegenden Fakten sachlich diskutiert werden kann. Auch die Vorbehalte der Jäger, Landwirte und Schafhirten wurden ernst genommen und Lösungen aufgezeigt.

Heidrun Oberg

 

Tagungsband:

Die Rückkehr der Wölfe

104 Seiten, broschiert

Papierflieger: Claustal-Zellerfeld 2012

ISBN 978-3-86948-216-3 (bei Verlagsbestellung)

ISBN 978-3-9810793-5-7 (bei Bestellung im Nationalparkhaus), 6,50 €

 

Bezugsquellen:

PAPIERFLIEGER DRUCKEREI-VERLAG, Telemannstraße 1, 38678 Claustal-Zellerfeld

Tel.: 05323-96773, Fax: 05323-982831, www.papierflieger.eu

Geschäftszeit:

Mo – Do 9:00 – 17:00 Uhr

Fr 9:00 – 15:00 Uhr

Und nach Absprache

Buchbestellung: Bitte wenden Sie sich an Frau Scheffler. (Sabine@papierflieger-verlag.de)

 

Nationalparkhaus Sankt Andreasberg, Erzwäsche 1, 37444 Sankt Andreasberg

Tel: 05582-923074, Fax: 05582-923071, www.nationalparkhaus-standreasberg.de

Öffnungszeiten:

April bis Oktober

Mo – Fr 10:00 – 18:00 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen 10:00 – 17:00 Uhr

November bis März

Dienstag bis Sonntag 10:00 – 17:00 Uhr, Montags (außer Feiertags) sowie am 24. Dezember und 1. Januar geschlossen

 

 

 

Uwe Meier (Hrsg.)

Agrarethik

Landwirtschaft mit Zukunft

 

Landwirtschaft mit Zukunft

„Nahrungsmittel an jedem Ort, zu jeder Zeit, in hoher Qualität und zudem noch preiswert, sind in unserer Wohlstandsgesellschaft für die meisten Menschen selbstverständlich“, beginnt Uwe Meier, nebenbei auch Stammautor der Umweltzeitung, die Einleitung zu dem von ihm herausgegebenen Sammelband „Agrarethik – Landwirtschaft mit Zukunft. Doch obgleich es weder an Erklärungen und Willensbekundungen noch an Ressourcen, Know How mangelt, um die gesamte Weltbevölkerung gut ernähren zu können, leidet rund eine Milliarde Menschen Hunger, werden Freihandelsabkommen rascher und gründlicher umgesetzt als solche, die eine nachhaltige Entwicklung zum Ziel haben.

Das Buch widmet sich auch diesen Fragen, im Kontext der Grundfrage nach dem ethischen Fundament der Landwirtschaft. Uwe Meier schreibt: „Es zeigt sich, dass es zur Konfliktlösung zunächst einer begründungsreichen und wahrhaftigen Rechtfertigung der real existierenden Landbewirtschaftung bedarf. Der Ruf nach einem lösungsorientierten agrarethischen Diskurs ist daher überfällig.“

Das vorliegende Buch versteht sich als Einstieg in exakt diesen Diskurs. Meier versammelt Texte und Thesen von Philosophen, Theologen, Gastrosophen, Ökonomen, Wirtschaftsethiker und Juristen in diesem Band, der alles andere als leichte Lektüre verspricht, zumal er sich mit den geistigen Fundamenten unserer Existenz und des Lebens befasst. Der Menschen müssen töten, um zu leben.

Der Band teilt sich in drei Hauptteile, Grundlagen eines agrarethischen Denkens, Produktion und Transparenz sowie Agrarwelthandel, Hunger und Konsum ein. Man muss nicht jeden Beitrag lesen, um sich ein Bild zu machen, aber die einzelnen Aspekte sind auf vielfältige Weise miteinander verbunden.

Stefan Vockrodt

 

Uwe Meier (Hrsg.):

Agrarethik

350 Seiten, gebunden, zahlreiche Abbildungen und Tabellen

Agrimedia: Clenze 2012

ISBN: 978-3-86263-078-3 , 39,90 €

 

 

 

Annette Jensen

Wir steigern das Bruttosozialglück

von Menschen, die anders wirtschaften und besser leben

 

Auf zum „guten Leben“

Der Buchtitel klingt viel versprechend. Denn die Idee, den Fortschritt eines Staates nicht am Bruttoinlandsprodukt zu bemessen, sondern am Glückszuwachs der Bürger klingt bahnbrechend.

Diese Vision hat das im Himalaya liegende und überwiegend buddhistisch geprägte Königreich Bhutan schon umgesetzt. Sie messen den Zustand des Landes nicht allein am Wirtschaftswachstum, sondern streben ein Gleichgewicht zwischen materiellem und spirituellem Wohlergehen an.

Doch wie schaut es bei uns aus? Die Autorin Annette Jensen begibt sich auf die Suche nach Menschen, die unser Bruttosozialglück steigern sollen. Sie stellt einige interessante Vorhaben vor. Zum Beispiel das Projekt zweier mutiger Studenten, die zusammen in den Bau eines Windrades investierten und so unabhängig von den großen Konzernen nun eigenen Strom erzeugen können. Auch die Braunschweiger Firma Auro wird vorgestellt, die mit ihrer Idee äußerst erfolgreich ist, chemische Produkte aus Pflanzen herzustellen.

Teilweise stellt sich die Frage, ob das ein oder andere Vorhaben sich langfristig bewährt. Die Idee der Gemeinde Güssing, ein nachhaltiges Heizkraftwerk mit im Wald liegenden Durchforstungsholz zu betreiben, wird von der Autorin überschwänglich gelobt. Sie hinterfragt jedoch nicht, ob das im Wald liegende Holz nicht auch für das Ökosystem Wald nützlich sein könnte.

Schon an den Kapitelüberschriften Energie, Verkehr, Landwirtschaft, Banken und Produktion von Alltagsgegenständen wird deutlich, dass ausschließlich wirtschaftliche Themenbereiche angesprochen werden. Dabei verliert sich die Autorin leider allzu oft in Rechenspielen zu Kilowattstunden, Investitionssummen und Renditen. Oder beklagt bei der Produktion moderner High-Tech-Produkte die Knappheit seltener Metalle.

Beim Lesen wird man des Öfteren skeptisch. Gehören zum Glück nicht mehr als grüne Kilowattstunden und Umweltpolitik? Wie steht es mit der Zeit für zwischenmenschliche Beziehungen? Wie um gerechte Löhne, um Chancengerechtigkeit und Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung? Tragen zum Glück nicht auch Gesundheit und Zugang zu guten Ärzten, Freiheit und ein gewisses Maß an Sicherheit bei? Und wie ist es um die vielen Glücklichmacher aus sozialen Projekten bestellt? Die Liste könnte weiter fortgesetzt werden.

Dennoch ist es ein positives Buch. Es verharrt nicht im „So geht’ s nicht weiter!“, sondern zeigt zukunftsweisende Ideen auf. Diese machen Mut, selbst das Glück am Schopf zu packen.

Michael Ohnsorge

 

 

Annette Jensen:

Wir steigern das Bruttosozialglück

240 Seiten, kartoniert

Herder: Freiburg 2011

ISBN 978-3-451-30404-0, 16,95 €

 

 

 

Urs P. Gasche, Hanspeter Guggenbühl

Schluss mit dem Wachstumswahn

Plädoyer für eine Umkehr

 

Umschwenken jetzt!

Nicht nur Niko Paech macht Front gegen das „Business as usual“ (BAU), das uns mit Volldampf in den GAU führt. Auch die beiden Schweizer Fachjournalisten Urs P. Gasche und Hanspeter Guggenbühl fordern eine Abkehr vom Waschtumswahn – aus ökologischen, ökonomischen und sozialen Gründen. Ihr Buch belegt fakten- und kenntnisreich die Notwendigkeit eines Umschwenkens. Mögen einige der von ihnen genannten Alternativen wie die ökologische Steuerreform oder Anreize für kürzere Arbeitszeit schaffen sich durchaus mit linken Pro-Wachstumspositionen vertragen, ist der letzte Forderungspunkt nach einem Ende des Bevölkerungswachstums problematisch, verlangt er doch vor allem eine wirksame Bekämpfung der Armut in der dritten Welt, die zumindest dort wieder Wachstum erfordert – aber das heißt ja nicht, dass dort der Grad von Vergeudung erreicht werden soll, der bei uns vorherrscht.

Gasche und Guggenbühl untermauern ihre knapp und pointiert geschriebenen Thesen mit detaillierten Erläuterungen im Anhang – ein guter Weg, das Buch nicht zu überladen und dennoch die notwendigen Informationen unterzubringen. Auch wenn das Buch schon 2010 erschienen ist, sein Inhalt ist auch weiterhin brandaktuell und die Situation hat sich seither eher verschärft. Das rechtfertigt auch den stellenweise eher polemischen Ton dieser Streitschrift.

Stefan Vockrodt

 

Urs P. Gasche, Hanspeter Guggenbühl:

Plädoyer für eine Umkehr

136 Seiten, broschiert

Rüegger Verlag: Glarus CH 2010

ISBN 978-3-7253-0965-8 15,00 €

 

 

 

Felix zu Löwenstein

Food Crash

Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr

 

Plädoyer für den Öko-Landbau

Felix zu Löwenstein, international anerkannter Fachmann für Ökolandbau, hat ein beachtenswertes und in einem sehr persönlichen Schreibstil verfasstes Buch geschrieben, das allgemein verständlich ist. Er plädiert für den Ökolandbau als einzige Form der Landbewirtschaftung, die uns die Zukunft sichert. Diese These belegt er mit unzähligen Beispielen, die nicht sehr in die Tiefe gehen, aber in seiner Breite beeindrucken.

Der Autor kritisiert an vielen Beispielen die derzeitige konventionelle Landbewirtschaftung als nicht zukunftsfähig und geht zu Beginn auf ein Kernproblem ein: den Hunger auf der Welt und unseren Luxuskonsum. Er deckt die Widersprüche einer chemiebasierten Landwirtschaft auf und plädiert für einen „neuen Weg“: Die ökologische Intensivierung, deren erste Hebel die Stickstoffreduktion und Änderungen im Tierschutz und Baurecht sind. Aber ohne eine Änderung der Lebensstile, auch im globalen Handeln wäre kaum etwas gewonnen.

Uwe Meier

 

Felix zu Löwenstein:

Food Crash

320 Seiten, gebundene Ausgabe

Pattloch: München 2011

ISBN 978-3-3692903001, 19,90 €

 

 

 

Wilfried Bommert

Bodenrausch

Die globale Jagd nach den Äckern der Welt

 

Das Geschäft mit der Ackerkrume

„Von Tätern und Opfern“ - nennt Wilfried Bommert den ersten Teil seines Buches „Bodenrausch“, das sich der zunehmenden globalen Spekulation und Enteignung von Ackerland in der dritten Welt widmet. Nicht nur große Konzerne betreiben sich an der Vertreibung Millionen von Kleinbauern, auch Staaten (wie China und die arabischen Emirate) erwerben immer größere Flächen Ackerland im Afrika südlich der Sahara oder den großen Flächenstaaten Südamerikas.

Dieses Land, das zuvor häufig in Subsistenzanbau der lokalen Versorgung und Ernährung diente, wird nun genutzt, um Luxuslebensmittel oder Energiepflanzen oder Futtermittel für die Rindermast anzubauen. Was zuvor nachhaltig bearbeitet wurde, wird nun rücksichts- und schonungslos ausgebeutet. Wo früher fruchtbare Äcker waren, kann bald eine Steppe oder gar Wüste zurückbleiben.

Bommerts Buch „Bodenrausch“ ist eine Art Rundumschlag, am Beispiel der Böden zeigt er die Grenzen des Wachstums auf. Wäre das alles, so wäre es ein unvollständiges Buch, doch Bommert fügt zwei weitere Hauptkapitel hinzu, die Alternativen aufzeigen – von der „Schwarzerde“ (Terra Preta) bis zu den möglichen und notwendigen Änderung des Konsumverhaltens. Sein Schlusskapitel „Dem Bodenrausch den Boden entziehen“ ist ein Plädoyer für einen globalen Paradigmenwechsel und Demokratisierung. Wilfried Bommert zeigt in „Bodenrausch“ deutlich, wie der heutige Neokolonialismus funktioniert, dessen Täter nicht mehr nur Europäer sind.

Stefan Vockrodt

 

 

Wilfried Bommert:

Bodenrausch

385 Seiten, Hardcover

Eichborn Verlag bei Bastei-Lübbe: Köln 2012

ISBN: 978-3-8479-0005-4, 19,99 €

 

 

 

Annette und Thomas Blume

A wie Aufpassen

mit Texten von Andreas Maier, Bazon Brock, Georg Oswald Cott und Werner Kraft

 

Durch das Land der gelben „A“s

Manche Idee ist einfach gut, so gut, dass sie nicht nur tausendfach kopiert wird, sondern auch zu nachfolgenden Werken anregt. So eine Idee ist das gelbe „A“, das seit einigen Jahren in unserer Region als Mahnung und sichtbares Protestzeichen gegen das marode Atommülllager ASSE 2 steht. Wie viel tausend dieser As aus Holz inzwischen in allen Größen, vom rund 11 Meter hohen A bei Remlingen an der Zufahrtstraße zum Bergwerk bis hin zu den kleinen Winzlingen für den Rucksack ausgegeben und aufgestellt wurden, wissen wohl nur ganz wenige. Doch wer in der Region rund um die Asse unterwegs ist, dem begegnet dieses gelbe „A“ in vielfältigster Form.

Das hat das Ehepaar Annette und Thomas Blume angeregt, in einem Bildband dieses neue „Landschaftsbild“ in all seinen vielfältigen Facetten vorzustellen. Tatsächlich zeigt der Band vor allem, welch schöne Ecken sich in dieser Region verstecken. Und auch, wie auffällig auch ein kleines dieser „A“s wirken kann, wenn es entsprechend positioniert ist. Und z noch etwas regt der band an: Einmal eine kleine Rundfahrt durch die Region oder nur einen Rundgang durch Braunschweig zu machen und zu schauen, wo man sie überall entdecken kann: die Asse „A“s. Es lohnt sich.

Stefan Vockrodt

 

Annette und Thomas Blume:

A wie Aufpassen

108 Seiten, Broschur, zahlreiche Farbfotos

Selbstverlag: Braunschweig 2012

ISBN 978-3-922618-31-7, 15,- €

 

 

 

Niko Paech

Befreiung vom Überfluss

Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie

 

Wider den Wachstumswahn

Das Buch beginnt mit dem Hinweis über den Zweck des Buches: „Es soll den Abschied von einem Wohlstandsmodell erleichtern, das aufgrund seiner chronischen Wachstumsabängigkeit unrettbar geworden ist.“ Niko Paech legt in seiner Streitschrift dar, dass die ökonomischen Grundlagen des Wachstums, dessen segensreiche Wirkung gerade heute immer wieder beschworen wird, immer rascher zerstört werden. „Was vor kurzem noch „Peak Oil" hieß, hat sich zum „Peak Everything" verändert.“ Wie es sich für einen ernst zu nehmenden Ökonomen gehört, analysiert er sachlich und mit Beispielen die IST-Situation, die alle Menschen in ihrem Leben nachvollziehen können und stellt nüchtern fest, dass die Konsumgesellschaften ihre Lebensgrundlagen verlieren. Den politisch diskutierten „Green New Deal“ lässt er nicht aus und entlarvt auch ihn als Augenwischerei.

Was tun? Im Grunde wäre eine Kultur- und Glaubensrevolution gefordert, die die geistigen Triebkräfte aller Kulturen und Traditionen mobilisieren muss, würde ein Geisteswissenschaftler postulieren. Niko Paech gibt jedoch einige konkrete Hinweise, die dem Postulat entsprechen. Es sind alle Potenziale an Suffizienz (Genügsamkeit), Selbst- und Regionalversorgung auszugeschöpfen.

Die immer noch nötige industrielle Produktion müsste ebenso wie unser Leben deutlich entschleunigt werden. Produkte und Infrastrukturen könnten durch Nutzungseffizienz so optimiert werden, dass ohne zusätzliche materielle Produktion Werte geschaffen werden. Entscheidend sind grundsätzliche institutionelle Maßnahmen wie, eine Boden- und Geldreform, mit denen die jetzigen systemimmanenten Wachstumszwänge des Kapitalismus deutlich gemildert werden.

Uwe Meier

 

Niko Paech:

Befreiung vom Überfluss

155 Seiten, gebunden

oekom-verlag: München 2012

ISBN-13: 978-3-86581-181-3, 14.95 €

 

 

 

Dieter Apel

Landschaft und Landnutzung

Vom richtigen Umgang mit begrenzten Flächen

 

Ökologische Landnutzung- wie geht das?

Der Stadtplaner Dieter Apel greift ein hoch aktuelles Thema auf – die begrenzte Ressource fruchtbare Böden und wie wir mit diesen umzugehen haben. Apel bietet einen breiten fachübergreifenden Überblick. Er geht bei der Vielzahl der angesprochenen Probleme und Lösungsmöglichkeiten kaum auf Details ein, sondern bleibt verständlicherweise an der Oberfläche. Dadurch ist es ihm möglich, die zahlreichen Wissensgebiete dort wo es sinnvoll ist miteinander zu verknüpfen.

Das Buch bietet eine Fülle von Fakten aus Urbanistik, Verkehrspolitik bis zur Landwirtschaft. Seine ökonomischen Überlegungen begrenzt er auf die Zurückführung externalisierter Kosten. Das grundlegende Problem bei den Flächennutzungskonkurrenzen spricht er leider jedoch nicht an – also die markradikale Wachstumsideologie, die alle Überlegungen zunichte macht.

Das Buch ist für all die lesenswert, die sich einen raschen und kritisch umfassenden Überblick über die Problematik der Landnutzung verschaffen wollen.

Uwe Meier

 

Dieter Apel:

Landschaft und Landnutzung

176 Seiten, Broschiert

oekom-verlag: München 2012

ISBN-13: 978-3-86581-303-9, 19.95 €

 

 

 

Ineichen, Stefan, Ruckstuhl, Max, Klausnitzer, Bernhard (Hrsg.)

Stadtfauna

600 Tierarten unserer Städte

 

Tierische Zuwanderung

Nicht nur Menschen zieht es vermehrt in die Städte. Der einst scheue Waldvogel Amsel entdeckte schon im 19. Jahrhundert, dass sich auch in Städten gut leben lässt. Begonnen hat die Stadtbesiedlung mit felsbewohnenden Vögeln, die Gebäude  als Ersatzfelsen nutzen: Turm- und Wanderfalken, Dohlen, Mauersegler, Steinkäuze und Felsentauben, von denen die Stadttauben abstammen.

In den letzten Jahrzehnten wurden die Städte für immer mehr Tiere attraktiv, weil sie von den fressbaren Abfällen der Menschen und vom warmen Stadtklima profitieren. Stadtfüchse räumen die Abfallbehälter leer und Wildschweine verwüsten im Randbereich Vorgärten. Die ursprünglich felsbewohnenden Steinmarder störten früher nur durch Gepolter auf den Dachböden. Seit Ende der 1970er Jahre zerbeißen sie jedoch aus Plastik oder Gummi bestehende Teile von Autos. Auch viele Neueinwanderer (Neozoen) fühlen sich in Städten wohl und breiten sich zum Teil unkontrolliert aus. Manche sind unbeabsichtigt eingeschleppt worden, andere aber auch bewusst ausgesetzt worden, mit Folgen, die noch nicht absehbar sind.

Die drei Herausgeber des Buches „Stadtfauna“ beschreiben mit Hilfe von mehr als zwei Dutzend Spezialisten 600 Tierarten, die in den Städten des deutschsprachigen Raumes nördlich der Alpen vorkommen. Da auch Gewässer eine wichtige Rolle spielen, werden zahlreiche Süßwasserarten gezeigt, nicht nur Fische und Wasservögel, sondern auch Kleinlebewesen wie Süßwasserpolypen, Strudelwürmer, Egel, Wasserschnecken und -muscheln, Krebse, Wasserinsekten und Lurche. Attraktive und mehr oder weniger leicht zu beobachtende Arten wie Schmetterlinge, Eidechsen, Vögel und Säugetiere werden ausführlich behandelt. Jedes Tier ist mit ausgezeichneten Farbfotos abgebildet, der Text informiert über Aussehen, Verbreitung, Nahrung, Verhalten. Die Autoren beschreiben auch Filz- und Kopfläuse, Hausstaub- und Haarbalgmilben der Menschen.

Ein lehrreiches Buch, nicht nur zum Nachschlagen, sondern mit vielen neuen und erstaunlichen Informationen. Man erfährt zum Beispiel, dass Biber seit einigen Jahren entlang von Fließgewässern weit ins Stadtgebiet vordringen. In München in der Isar beim Deutschen Museum, in Berlin vereinzelt bis zum Bundeskanzleramt.

Heidrun Oberg

 

Ineichen, Stefan, Ruckstuhl, Max, Klausnitzer, Bernhard (Hrsg.):

Stadtfauna

436 Seiten, kartoniert, ca. 600 Fotos

Haupt Verlag: Bern 2012

ISBN 978-3-258-07723-9, 29,90 €

 

 

 

Josef H. Reichholf

Das Rätsel der grünen Rose

und andere Überraschungen aus dem Leben der Pflanzen und Tiere

 

Alles fließt

Der Autor und Biologe Josef Reichholf hat ein persönliches Buch voller Respekt und Hingabe in „Ich-Form“ geschrieben. Eines aus seiner Erfahrungs- und Erlebniswelt, voll gepackt mit naturwissenschaftlicher Erkenntnis, die er in einem lockeren und gut verständlichen Stil seinen Lesern und Leserinnen nahe bringt.

Es ist keine Aufzählung von Fakten, die vielleicht langweilen würden. Wie selbstverständlich lässt er sein botanisches und zoologisches Wissen in seine geschilderten Erlebniswelten einfließen. Es ist ein Lehrbuch verwoben in Erlebnissen in angenehmster Form. In ihm werden nicht nur viele Fragen beantwortet, der Autor gibt vielmehr zahllose Hinweise, die sich für den interessierten Laien als Frage noch gar nicht formuliert hatten. Zum Beispiel spannende Hinweise über die unendlich erscheinenden Zusammenhänge des Lebens. Alles ist mit Allem vernetzt, sei es in Konkurrenz oder in Symbiose.

Das Buch gliedert sich in nur vier Kapitel, zwei behandeln besondere Biotope wie „Feuchtgebiete -…“ und  „Trockenregionen -…“. Ein weiteres Kapitel befasst sich mit Bäumen und dem Wald, dessen lebenden Zusammenhängen und dessen Nutzung. Das letzte Kapitel betrifft die „Menschenwelten – wie Pflanzen neue Lebensräume erobern“. Im Ausblick „Alles fließt…“ schreibt Reichholf über die Entwicklung. Nichts in der Natur ist im Stillstand – alles ist ein dynamischer Prozess und alles eine Frage der Zeit. Erkennen kann man jedoch nur, wenn man neugierig ist.

Uwe Meier

 

Josef H. Reichholf:

Das Rätsel der grünen Rose

332 Seiten, gebunden

oekom-verlag: München 2012

ISBN-13: 978-3-86581-194-3, 19.95 €

 

 

 

Christoph Menke, Juliane Rebentisch (Hrsg)

Kreation und Depression

Freiheit im gegenwärtigen Kapitalismus

 

Ist Freiheit im Kapitalismus möglich?

Ich mag es, wenn schwierige Bücher funktionieren wie das Gleichnis von den Blinden und dem Elefanten. Sie kennen das? Eine Gruppe von Blinden untersucht einen Elefanten – jeder einen anderen Körperteil – Flanke, Stoßzahn, Ohr, Bein, Rüssel. Dann vergleichen sie ihre Erfahrungen und stellen fest, dass jede zu einer unterschiedlichen Schlussfolgerung führt. Aber zusammen ergibt sich doch ein Bild.

Dieses Buch sind fasst Texte von 16 Menschen zusammen, viele Beiträge aus Soziologie und Philosophie, aber auch Betriebswirtschaft, Dramaturgie, Psychologie, Kunst- und Kulturwissenschaft. So entsteht ein umfassendes Bild des in der Dunkelheit stehenden „Tieres“, das hier ein gesellschaftlicher Zustand und dessen Entstehung ist: „Es scheint, dass sich Einstellungen und Lebensweisen, die einmal einen qualitativen Freiheitsgewinn versprachen, inzwischen so mit der (...) Gestalt des Kapitalismus verbunden haben, dass daraus neue Formen von sozialer Herrschaft und Entfremdung entstanden sind“ (Menke/Rebentisch).

Es wird untersucht, wie die Forderungen nach „Autonomie und kreativer Selbstverwirklichung für alle“ erfolgreich in neue Ausbeutungswerkzeuge umgewandelt wurden.

Die Entstehung der heutigen „Kontrollgesellschaften“ wird nachvollziehbar, in denen Fabriken von Unternehmen abgelöst wurden und „man uns beibringt, dass die Unternehmen eine Seele haben, was wirklich die größte Schreckensmeldung der Welt ist. Marketing heißt jetzt das Instrument der sozialen Kontrolle und formt die schamlose Rasse unserer Herren“ (Gilles Deleuze). Freche, innovative, provokant Werbung für Produkte, die ihre Nutzer frech, innovativ und provokant machen sollen – „Freiheit“ durch Kaufen und Verkaufen von immer neuen „Revolutionen“.

„Der Kapitalismus fordert zu seiner Erhaltung Menschen, die ihm subversiv begegnen, die Widerstand gegen sein gnadenloses Kalkül leisten und endlich die Einlösung des Glücksversprechens vorantreiben. Nur solche Leute können heute noch Geschäfte machen“ (Carl Hegemann). Das ist zum Verzweifeln. Ist Freiheit im gegenwärtigen Kapitalismus überhaupt möglich?

Hier bietet der zweite Teil des Bandes einige Vorschläge. Begriffe tauchen auf und werden verständlich: Genie und Wahnsinn, Innovationsgymnastik, Muße versus Beschleunigung, Distanz zum Handwerk, Massengefälligkeit oder Verweigerung, Vernetzung, Verzicht auf Sichtbarkeit um jeden Preis, Ekstase als Gegengift …

Ich empfehle dieses Buch allen, die die Entwicklung der letzten dreißig Jahre besser verstehen wollen, und die ihre eigenen alternativen oder kreativen Positionen vor diesem Hintergrund kritisch zu hinterfragen bereit sind.

Andreas Kothe*

 

Christoph Menke, Juliane Rebentisch (Hg.):

Kreation und Depression

252 Seiten, broschiert

Kulturverlag Kadmos: Berlin 2011

ISBN: 978-3-86599-126-3 , 19.90 €

 

 

 

Rob Hopkins

Energiewende. Das Handbuch

Anleitung für zukünftige Lebensweisen

 

Der Vater der Transition Town- Bewegung

Rob Hopkins hat dieses Buch geschrieben und selbst ausprobiert, was er den Menschen darin empfiehlt: Eine Anleitung zur zukunftsfähigen Lebensweise. In Todness, einer kleinen Stadt in Großbritannien, ist er dabei, mit den Bewohnern das Städtchen für die Zukunft umzurüsten. Erst 2006 ist das Buch entstanden und schon findet sein Experiment über tausend weitere Nachahmer (s. S. xy).

Diese Bewegung könnte die Welt retten, gibt er uns in seinem Buch zu verstehen. Und es hört sich wirklich gut an, was er dort vorschlägt. Wir fühlen uns angesichts Klimawandel und schwindenden Ölressourcen deprimiert und machtlos. Das Buch gibt Hoffnung statt Schuldgefühle. Es verbreitet Optimismus statt Angst. „Ein Buch, das wie eine helfende Hand den Übergang zu einer relokalisierten, sehr menschlichen und letztendlich gesünderen und bekömmlichen Zukunft erleichtert“ sagt Patrick Holden, Leiter des größten britischen Verbandes für Bio-Landwirtschaft im Vorwort.

Hopkins Engerwende-Handbuch besteht aus drei Teilen: Im ersten Teil „Der Kopf“ schreibt er ausführlich und fundiert über Klimawandel und Ölverknappung. Im zweiten Teil „Das Herz“ erklärt er den Lesenden, warum es entscheidend auf eine positive Vision ankommt. Und im dritten Teil kommt die praktische Nutzanwendung: „Die Hände“. Das wichtigste Kapitel in diesem Teil ist: „Wie gründet man eine Energiewende-Initiative?“ Zum Abschluss beschreibt er Energiewendekonzepte, die in sieben britischen Städten bereits Fuß gefasst haben.

Dieses Buch macht Mut und lädt zum Mitmachen ein und lässt dabei viele Gestaltungsmöglichkeiten für das eigene Leben offen: deswegen wohl auch die große Resonanz. Man kann es allerdings schwer in einem Zug lesen. Es wimmelt von Anmerkungen, Übersichten, Schaubildern und klein geruckten Zitaten. Aber ein Umbruch ist eben nicht so leicht zu „haben“. Es ist eher ein Nachschlagewerk, ein echtes Handbuch für alle Interessierten, die nicht mehr dumpf konsumierend in den Abgrund taumeln wollen.

Wolfgang Wiechers

 

Rob Hopkins:

Energiewende. Das Handbuch

240 Seiten, broschiert

Zweitausendeins: Leipzig 2010 (2. Auflage)

ISBN 978-3-86150-882-3, 22,00 €

 

 

 

Fritz Vahrenholt, Sebastian Lüning

Die kalte Sonne

warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet

 

Am Problem vorbei

Es scheint Mode geworden zu sein, prominenten, aber nicht mehr sonderlich angesagten Sozialdemokraten in Buchform eine Plattform zu geben, auf der sie gegen den (Partei-)Stachel löcken und zugleich viel Geld verdienen können. So wie Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ hat auch Fritz Vahrenholts zusammen mit dem RWE-Manager Sebastian Lüning verfasstes „Die kalte Sonne“ auf einen kurzfristigen Bestsellererfolg gezielt. Den erreicht man bei politisch brisanten Themen vor allem durch scheinbar politische Unkorrektheit, angefeuert durch empörte Verrisse in den Medien. Für den Verlag, Hoffmann und Campe, dürfte das kommerzielle Kalkül aufgegangen sein. Das Buch verkauft sich gut. Dabei verdient es, genauso wenig ernstgenommen zu werden die Herrn Sarrazins erbbiologische Rassismen.

Mag dieses Urteil auch hart sein, immerhin muss man Vahrenholt und Lüning durchaus einen gewissen Ernst im Umgang mit der Materie und auch die Einhaltung wissenschaftlicher Minimalstandards bei der Recherche attestieren, so ist es angemessen. Denn Vahrenholt und Lünig scheitern mit ihrem Versuch, den IPCC (International Panel on Climate Change) zu diskreditieren auf ganzer Linie.

Zuallererst: Die Autoren als „Klimaskeptiker“ zu bezeichnen, verfehlt das Ziel ebenso wie ihnen platte Faktenfälschung zu unterstellen. Vahrenholt und Lüning bestreiten keineswegs, dass die anthropogenen Emissionen klimaaktiver Spurengase zu einer globalen Erwärmung führen. Sie behaupten lediglich, dass die etablierte Klimaforschung den Einfluss der Sonne, also Schwankungen in der Energieabstrahlung unseres Muttergestirns, nicht genug berücksichtigt. Das ist allerdings nicht korrekt, und ihre Versuche, anhand vieler interessanter Quellen und Graphiken ihre These vom vorherrschenden Einfluss der diversen Sonnenzyklen zu belegen, widerlegen sie selbst in zahlreichen Graphiken, die vieles erklären, aber nicht, warum der Temperaturanstieg der letzten 40 Jahre vor allem auf eine vorübergehend erhitzte Sonne zurückgeführt werden kann. Dies ist auch nicht der Fall.

Man mag den Autoren zu Gute halten, sich mit der anspruchsvollen und selbst für Experten nur schwer beherrschbaren Materie der Klimamodelle übernommen zu haben. Ärgerlich wird es – und das zieht sich wie ein roter Faden durchs Buch – wenn Vahrenholt und Lüning dem IPCC „Alarmismus“ vorwerfen, den Klimaforschern unterstellen, sie würden abweichende Erkenntnisse – die etwa den Einfluss der Klimagase relativieren könnten – nicht berücksichtigen oder sogar bewusst unterschlagen. Hier überschreiten die  Autoren die Schwelle zum Unseriösen. Fritz Vahrenholt, der aus seiner früheren Zeit als Umweltaktivist durchaus weiß, dass Politiker erst dann handeln, wenn die Katastrophe da ist, es sei denn, man kann sie von der unmittelbar bevorstehenden Katastrophe überzeugen, und oft dementsprechend alarmistisch aufbauschte, wirft nun dem IPCC genau diesen Alarmismus vor. Dabei wirkt er ein wenig wie ein Lehrer, der verzweifelt feststellen muss, dass seine Schüler seine Lektionen nicht nur verinnerlicht haben, sondern nun auch gegen ihn anzuwenden verstehen.

Aber noch wesentlicher ist, dass Vahrenholt und Lüning die entscheidenden Fragen ignorieren: Unabhängig, ob und wie stark die Erderwärmung bis zum Ende dieses Jahrhundert ausfallen mag: Das Ölzeitalter steht vor dem Ende und je länger man den Menschen noch Sand in die Augen streut und ihnen von Tiefseeöl und Schiefergas vorschwärmt – die Zeit, sich aus dem Ölsumpf empor zu heben wird immer knapper und die Folgen hier unterlassenen Handelns – und dazu fordern Vahrenholt und Lüning auf – werden immer härter. Deshalb verdient dieses Buch, möglichst wenig gelesen und möglichst rasch vergessen zu werden.

Stefan Vockrodt

 

Fritz Vahrenholt:

Die kalte Sonne

448 Seiten, gebunden

Hoffmann und Campe: Hamburg 2012

ISBN: 978-3-455-50250-3, 24,99 €

 

 

 

Susan Boos

Fukushima lässt grüßen

Die Folgen eines Super-GAUs

 

Fukushima – non Amour

Nach dem drei- bis vierfachen Super-Gau von Fukushima ist viel geschehen und viel geschrieben wurde. Gerade zum Jahrestag erschienen auch eine Reihe von Büchern und unzählige Zeitungsartikel, die sich mit der Situation in Japan nach dem Unfall beschäftigen. Susan Boos, Journalistin der schweizerischen Wochenzeitung (WOZ) legt mit ihrem Buch „Fukushima lässt grüßen“ einerseits eine fundierte Reportage über das Geschehene wie auch über die Opfer der Katastrophe vor. Andererseits spannt sie auch den Bogen zur Situation in der Schweiz, wo man – ähnlich wie in Deutschland – offiziell in den nächsten Jahren aus der Atomenergie aussteigen will.

Der erste Teil von Boos Buch ist eine zusammenfassende Reportage über mehrere Reisen, die sie seit dem 11. März 2011 nach Japan unternahm. Hierin schildert sie nicht nur den Ablauf von Beben, Tsunami und den Folgen, sondern berichtet auch von ihren Treffen mit Vertretern der japanischen Anti-AKW-Bewegung ebenso wie über frühere Nuklearunfälle in Japan. Dieser Teil ist eine spannend geschriebene und gut recherchierte Zusammenfassung der Ereignisse in und um Fukushima nach der Katastrophe. Der zweite Teil des Buches stellt die Frage nach dem „Was wäre, wenn“ in der Schweiz. Boos berichtet über die Vorsorge- und Katastrophenschutzmaßnahmen (heute heißt es in der Schweiz nicht mehr „Katastrophen-“ sondern offiziell „Bevölkerungsschutz“) in ihrer Heimat, wo bei einem Unfall im KW Mühleberg zum Beispiel die Bundeshauptstadt Bern in der 20-Kilometer-Zone läge. Ihre Schilderungen sind ebenso erhellend wie erschreckend, denn wo die Sowjetunion in Tschernobyl hunderttausende Soldaten zwangsweise zu „Liquidatoren“ machte, gilt bei uns wie in Japan immer das Prinzip der Freiwilligkeit.

Was letzteres im Fall Fukushima bedeutet, schildert der dritte Teil des Buches, der auch einen Besuch in der evakuierten Zone rund um Fukushima enthält, wo inzwischen Katzen und Hunde sowie Schweine und Kühe die Gärten und aufgegebenen Siedlungen bevölkern.

Ein lesenswertes und informatives Buch, das nebenbei auch viel Grundlagenwissen zu Radioaktivität, ihrer Wirkung und den Folgen enthält.

Stefan Vockrodt

 

Susan Boos:

Fukushima lässt grüßen

250 Seiten, Broschur

Rotpunkt Verlag: Zürich 2012

ISBN 978-3-85869-474-4, 19,80 €

 

 

 

Jutta Knopf, Rainer Quitzow, Esther Hoffmann, Maja Rotter (Hrsg.)

Nachhaltigkeitsstrategien in Politik und Wirtschaft

Treiber für Innovation und Kooperation?

 

Nachhaltigkeitsstrategien in Politik und Wirtschaft

Das vorliegende Buch stellt eine Zusammenfassung diverser Nachhaltigkeitsstrategien dar von politischen Institutionen, Organisationen und exemplarisch beschriebenen Unternehmen. Es basiert nach Angaben der Autoren auf dem Projekt “Meta-Analyse - Nachhaltigkeitsstrategien in Politik und Wirtschaft“, das mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen FKZ: 16/1591 gefördert wurde. (1)

„Zwanzig Jahre nach dem Erdgipfel von Rio de Janeiro steht international und national eine umfassende Revision der Nachhaltigkeitspolitik an. ...

Das ... Buch untersucht sowohl wie staatliche und unternehmerische Akteure zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung beitragen als auch wie sie dabei miteinander interagieren. ... ln ausgesuchten nationalen und internationalen Fallbeispielen werden zudem neue Perspektiven und Optionen für die Förderung von Innovation und öffentlich-privater Kooperation für eine nachhaltige Entwicklung diskutiert“, so die Autoren.

Wer allerdings erwartet, tiefschürfend erläutert zu bekommen, was sich eigentlich genau hinter diesen doch etwas schwammigen Begriffen verbirgt, sieht sich ein wenig enttäuscht; auch die Auswahl exemplarischer Unternehmen was soziale Verantwortung (NOKIA, S. 171ff!) angeht, als auch fachspezifisch (Volkswagen – nachhaltige Mobilität, S. 230!) scheint eher unglücklich. Wirkliche Nachhaltigkeit hinterfragt auch die Art der Produkte, deren Herstellung und Rohstoffeinsatz – und gewinnung!

Im ausführlichen Abkürzungsverzeichnis (und auch im Buchtext selbst) ist leider ein Hinweis auf die Teilnahmemöglichkeit an der Global Reporting Initiative (GRI) nicht zu finden, wiewohl im download Bereich des u.a. links dies sehr wohl geschieht.

Insgesamt zeigt sich wohl einmal mehr, daß Nachhaltigkeitsstrategien nicht nur sozio-ökonomisch anzugehen sind, sondern auch – und vor allem – technisch-naturwissenschaftlich: Nutzen ohne zu zerstören, wie es der ursprüngliche Sinngehalt von Nachhaltigkeit war. (2)

Als Auflistung diverser Projekte zu Nachhaltigkeitsstrategien stellt das Buch insofern ein kompaktes Nachschlagewerk dar und ist durchaus lesenswert.

 

 (1) Eine ausführlichere Darstellung der Projektergebnisse ist zu finden auf: www.innovative-nachhaltigkeit.de.

(2) Die ursprüngliche Definition wurzelt im forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeitsdenken. Der Begriff Nachhaltigkeit selbst wird auf eine Publikation von Hans Carl von Carlowitz aus dem Jahr 1713 zurückgeführt, in der er von der „nachhaltenden Nutzung“ der Wälder schrieb. „Nachhaltigkeit der Nutzung“ bezeichnet also zunächst die Bewirtschaftungsweise eines Waldes, bei  welcher immer nur so viel Holz entnommen wird wie nachwächst.

Der Begriff wurde schließlich als sustained yield ins Englische übertragen und fand Eingang in die internationale Forstwissenschaft. Im erweiterten Sinn eines „Zustands des globalen Gleichgewichts“ taucht der Begriff sustainable 1972 im Bericht  Die Grenzen des Wachstums an den Club of Rome erstmals an prominenter Stelle auf.

Reinhard Siekmann

 

Jutta Knopf, Rainer Quitzow, Esther Hoffmann, Maja Rotter (Hrsg.):

Nachhaltigkeitsstrategien in Politik und Wirtschaft

266 Seiten, Softcover

oekom-verlag: München 2011

ISBN-13: 978-3-86581-265-0, 34,95 €

 

 

 

Axel Brennicke

Tödliches Geflecht

Ein biologischer Thriller

 

Ein Pilz geht um in Europa

Forscher dürfen auch mal Helden sein: Der Feind ist eine Seuche: ein Pilz, der Getreide vernichtet und von Behörden, Forschern und Landwirten verzweifelt bekämpft wird. Claviceps, schon von je her Erzeuger der giftigen Mutterkörner in Roggenähren, ist mutiert und dadurch aggressiver geworden. Statt ausschließlich Roggenfelder zu besiedeln, schmeckt ihm nun auch Weizen. Und während sich zunächst nur in Frankreich, später auch im restlichen Mitteleuropa Feld um Feld schwarz färbt, füllen sich in den betroffenen Regionen die Krankenhäuser mit Patienten, die an einer Mutterkornvergiftung leiden. Wer Staub von den befallenen Feldern einatmet, ist extrem gefährdet. Schon bald kommt es zu ersten Todesfällen. Außerdem packt die Regierung der betroffenen Staaten und die Verwaltung der EU die Panik: Was ist im Fall eines totalen Ernteverlustes, wenn Getreide in der EU nicht mehr angebaut werden kann?

Wissenschaftler aus Deutschland und Frankreich arbeiten gemeinsam mit Kollegen in Japan und den USA an dem Rätsel. Sie pipettieren, mikroskopieren und kabbeln sich mit Behörden. Sie reisen in die Labors der Kollegen, um dort zu pipettieren und zu mikroskopieren. Sie warten auf Genehmigungen, währenddessen pipettieren und mikroskopieren sie noch ein wenig. Bald zeigt sich: Es braucht zu lange, um herauszufinden, was den Pilz so aggressiv gemacht hat. Politik und Öffentlichkeit verlangen ein Gegenmittel, keine wissenschaftliche Erklärung. Wie ist der Pilz aufzuhalten?

In einem Roman, der beim Spektrum Verlag erscheint und von einem Wissenschaftler geschrieben ist, ist die Quote des Pipettierens und Mikroskopierens nachvollziehbar. Die Tatsache, dass es ein Glossar braucht, um die Fachbegriffe zu erklären, befremdet auch nur ein wenig. Doch was dieses Buch ganz hervorragend herausarbeitet, ist der Umgang mit Seuchenzügen. Die Zeit ist knapp, die Interessen kollidieren, Menschen geraten in Panik und die Forschung kann keine ad hoc Lösung liefern, die allen Recht ist. Wenn wirklich eine solche Seuche kommt, steckt Europa ganz arg in der Klemme.

Regina Bartel

 

Axel Brennicke:

Tödliches Geflecht

266 Seiten, Gebunden

Spektrum Akademischer Verlag: Heidelberg 2012

ISBN: 978-3-82742-889-9, 19,95 €

 

 

 

Franz-Theo Gottwald

Esst anders!

Vom Ende der Skandale.

 

Esst anders!

Wie müssen wir essen und warum wir anders essen müssen, damit auch noch andere Generationen etwas zu essen haben. Diese Fragen ziehen sich wie ein Leitfaden durch das Buch von F.-T. Gottwald dem Vorstand der Schweisfurth-Stiftung.

Die konventionelle und ökologische Landwirtschaft werden unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Entwicklung verglichen. Biotechnologie wird kritisch beleuchtet und bei der Beurteilung nachhaltiger Wirtschaft nicht nur auf Ressourcenschonung, sondern auch auf die Folgen für Natur, Lebensraum und Gesellschaftspolitik hingewiesen.

Gottwald setzt die Agrarkultur in einen ethisch-kulturellen Kontext und eröffnet damit neue Sichtweisen. Esskultur steht in einer engen Beziehung zur Produktion der Lebensmittel – zur Agrikultur. Letztendlich werden diese Kulturen in die Lebenskultur eingebettet, der sich die Kulturpolitik zu widmen habe.

Dieses Buch ist ein in acht Kapitel gegliederter Appell, nicht nur anders zu essen sondern auch anders zu leben. Gleichzeitig sind das derzeit geltende Wertesystem zu überdenken und Informationen von Wirtschaft und Politik zu hinterfragen.

Uwe Meier

 

Franz-Theo Gottwald:

Esst anders!

205 Seiten, Broschiert

Metropolis-Verlag: Marburg 2011

ISBN 978-3-89518-853-4, 18,00 €

 

 

 

Werner Rätz/Hardy Krampertz

Bedingungsloses Grundeinkommen

woher, wozu und wohin?

 

Grundkurs bedingungsloses Grundeinkommen

Im Grunde sollte der Begriff der „Freiheit“ neu definiert werden. Das, was wir in den westlichen bürgerlichen Gesellschaften als Freiheit bezeichnen und als höchsten Wert betrachten, ist letztendlich nichts anderes als „Freiheit im Konsum“, um von der Unfreiheit abzulenken und die Wirtschaft aufrechtzuerhalten. Der Freiheitsbegriff wird seit Jahren umgedeutet und missbraucht. Erst wenn Menschen keine Angst mehr haben müssen um materielles Überleben, können sie wirklich frei sein. Und diese Freiheit setzte ungeahnte Potentiale für das Gemeinwohl frei. Das und nichts anderes steckt hinter dem Gedanken und der Forderung nach bedingungslosem Grundeinkommen, dessen Protagonist auch der Eigentümer der dm-Drogeriemarktkette ist. Als einzige Partei hat sich die Piratenpartei programmatisch dem „Bedingungslosem Grundeinkommen“ verschrieben.

Das Büchlein geht äußerst sachlich und klar gegliedert an dieses Thema heran. Im „Block A“ geht es um grundlegende politische Fragestellungen, im „Block B“ um einen internationalen Kontext, in „Block C“ um Grenzen und Vorurteile und im „ Block D“ um zu erwartende gesellschaftliche Veränderungen.

Wer einen raschen Überblick über das „Bedingungslose Grundeinkommen“ bekommen möchte, um sich eine umfassende Meinung zu bilden, der oder dem sei dieses Büchlein unbedingt empfohlen.

Uwe Meier

 

Werner Rätz/Hardy Krampertz:

Bedingungsloses Grundeinkommen l

105 Seiten, Paperback

AG SPAK: Neu-Ulm 2011

Arbeitsgemeinschaft sozialpolitischer Arbeitskreise

ISBN 973 – 3 – 940865-24-3, 15,- €

 

 

 

Uwe Westphal

Hecken

Lebensräume in Garten und Landschaft

 

Hecken – Lebensräume in Garten und Landschaft

Geht man in Braunschweig und Umgebung mit offenen Augen spazieren, wird man Hecken in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen begegnen. In den Siedlungsbereichen und Schrebergartenanlagen sind es die gepflegten Hecken mit jährlichem Schnitt, auf die das Buch nur am Rande eingeht. Ausführlich beschreibt Westphal  die Hecken in den Randbereichen - die eher „ungepflegten“ Flurgehölzpflanzungen , die Räume erschließen, Erosion verhindern und einen unschätzbaren ökologischen Wert haben, indem sie das unverzichtbare “ ökologische Rückgrad“ in Stadt und Feldmark darstellen. Und darum geht es in dem kleinen Buch.

In seinen Ausführungen schreibt der Autor umfassend über die verschiedenen Heckenformen und bewertet sie und deren unterschiedlichste Zonen in ihren ökologischen Funktionen.  Ausführlich widmet er sich den Pflanzen, die eine Hecke formen. Sie werden beschrieben und differenziert nach heimischen und fremden Gehölzen und in ihren Erscheinungsformen sowie deren Eigenschaften. Westphal geht detailliert auf die verschiedenen Wirbeltiere (Igel, Haselmaus, Vögel, Lurche) und Insekten in den Hecken ein und vermittelt mit Detailwissen, kreativen Denkanstößen und Erfahrung all das was man wissen muss, um Hecken zu schützen oder neue anzulegen.

Das Buch ist gut verständlich geschrieben und mit Zeichnungen aussagekräftig bebildert. Besonderes Interesse dürfte es bei jungen Menschen hervorrufen, die naturkundlich interessiert oder engagiert sind.

Uwe Meier

 

Uwe Westphal:

Hecken

200 Seiten, Hardcover

Pala Verlag: Darmstadt 2011

ISBN: 978-3-89566-296-6, 14,00 €

 

 

 

Vittorio Magnago Lampugnani

Die Stadt im 20. Jahrhundert

Visionen, Entwürfe, Gebautes

 

Die Stadt im permanenten Wandel

Ein anderer Verlag hätte aus diesem Buch wohl eine „Coffee table“ Edition gemacht: großformatig, Hardcover, schweres Kunstdruckpapier. Teuer, edel – das Buch, das Neureichs ins Wohnzimmer legen um Bildung vorzutäuschen. Doch Verleger Klaus Wagenbach macht daraus ein zugegeben gewichtiges aber vor allem ein Lesebuch.

Denn trotz sehr edler Aufmachung in Schuber und entsprechendem Preis ist Vittorio Magnago Lampugnanis Konvolut „Die Stadt im 20. Jahrhundert“ ein Buch zum Lesen, Genießen, Nachdenken und Vor- und Zurückblättern. Der Autor, Architekt und   Professor für Stadtgeschichte an der ETH Zürich, nimmt den Leser mit auf die Reise durch die Stadt des 20. Jahrhunderts. Er spannt den Bogen weit von der Gartenstadt, die um 1910 ein neues Wohnideal darstellte zur Stadtmaschine Le Corbusiers und anderen totalitären Stadtvisionen hin zum Konservatismus eines Leon Kriers – in den insgesamt 28 Kapiteln geht es rund um die Welt des Städtebaus der letzten 100 Jahre. Ob Wolkenkratzer oder technokratische Stadtutopien der 1960er-Jahre, Lampugnanis stellt die Konzepte und ihre Vordenker vor, vergleicht und bewertet sie und versucht Zusammenhänge und Verbindungen herzustellen

Das Ganze ist außerordentlich lesenswert, reich bebildert und manchmal möchte man zu entsprechenden Stadtplänen greifen um die Pläne mit der Wirklichkeit (jener, die der Stadtplan für ein bestimmtes Jahr widerspiegelt) zu vergleichen. Letztendlich gilt aber das, was Lampugnani in Anlehnung an den Italienischen Architekten und Architekturkritiker Aldo Rossi so zusammenfasst: „... Verständnis von Stadt: als einzigartiger, unwiederholbarer, unverwechselbarer Ort, aber auch als Ort des Chaos, wo jeder Versuch, Ordnung von oben zu schaffen, zum Scheitern verurteilt ist, zumal nur von unten her das Chaos domestiziert und lyrisch überhöht werden kann.“

Allerdings enden Lampugnanis Betrachtung mit dem (echten) Ende des 20. Jahrhunderts um 1992, als mit den olympischen Spiele in Barcelona einen einzigartigen Höhepunkt des Städtebau erreicht wurde, der seither in postmoderne Beliebigkeit zerfaserte. Oder wie anders will man Müllarchitektur wie die Braunschweiger Schlossattrappe erklären?

Stefan Vockrodt

 

Vittorio Magnago Lampugnani:

Die Stadt im 20. Jahrhundert

912 Seiten, Großformat, zwei Bände im Schuber

Verlag Klaus Wagenbach: Berlin 2011

ISBN 978-3-8031-3633-6 ,128,00 €

 

 

 

Heiner Monheim/Christian Muschwitz/Wolfram Auer/Matthias Philippi

Urbane Seilbahnen

Moderne Seilbahnsysteme eröffnen neue Wege für die Mobilität in unseren Städten

 

Durch die Stadt schweben

Seilbahnen im innerstädtischen Verkehr sind eine (Wieder-)Entdeckung. Die Entwicklung verläuft ausgesprochen dynamisch und immer neue Ideen und Entwicklungen werden ausprobiert, um das System Seilbahn den spezifischen Anforderungen urbaner Verkehrsmärkte anzupassen.

Dementsprechend behandeln die Autoren das Thema von Grund auf. Sie stellen die Bauarten moderner Seilbahnen vor, wägen ihre Leistungsfähigkeit sowie die Vor- und Nachteile ab und kommen zu einem interessanten Schluss: „Trotzdem sind Seilbahnen keine 'Alleskönner', die man universell für alle Teilaufgaben im öffentlichen Verkehr einsetzen kann. Es geht immer um besondere Aufgabenstellungen und Problemlösungen, die allerdings sehr viel häufiger zur Anwendung kommen können, weil sich das politisch-planerische Umfeld deutlich verändert hat.“

Anhand vieler Beispiele belegen die Autoren ihre Thesen und zeigen auf, wie Seilbahnen sinnvoll und kostengünstig bestehende Netze integrativ ergänzen können, sei es als Tangentialverbindungen oder Verlängerungen auf weniger nachfragestarken oder topografisch komplizierten Ästen.

Das Buch ist lesenswert und leicht verständlich, auch dank der guten, informativen Bebilderung und des klaren Layouts.

Stefan Vockrodt

 

Heiner Monheim/Christian Muschwitz/Wolfram Auer/Matthias Philippi:

Urbane Seilbahnen

120 Seiten, Hardcover

KSV Kölner Stadt- und Verkehrs-Verlag: Köln 2011

zahlreiche farbige und sw Fotos, Zeichnungen

ISBN 978-3-940685-98-8, 39,- €

 

 

 

Maximilian Meyer

Die gescheiterte Bahnreform

Ursachen - Folgen - Alternativen

 

Die Geschichte der Bahnreform

Gäbe es ohne die Bahnreform die modischen „Bahnhasserbücher“? Kaum, denn hätte die damalige Deutsche Bundesbahn den Kurs fortsetzen können, den sie in den 1980er Jahren unter Chef Reiner Maria Gohlke einschlug, und den sie 1990 gemeinsam mit der Reichsbahn der DDR weiterfahren wollte, die Eisenbahnlandschaft sähe anders aus. Es ist nur – aber zulässige – Spekulation zu behaupten, dann hätte die Schiene heute mehr Reise- und Güterverkehr und stünde auch finanziell besser da.

Doch das war politisch nicht gewollt und leider geht Maximilian Meyer in seiner nun in Buchform vorliegenden Examensarbeit „Die gescheiterte Bahnreform“ zu wenig darauf ein. Es ist bedauerlich, aber das Buch wird dem eigenen Titel nicht gerecht. Zwar beschreibt Meyer ausführlich die Chronologie der so genannten Bahnreform, die sich keineswegs in der Pseudoprivatisierung der DB erschöpft, aber eine Analyse der zu Grunde liegenden Gedanken und auch eine grundlegende Darstellung des Scheiterns – wie es im Titel heißt – sucht der Leser so vergebens wie die möglichen Alternativen. Letztere reißt Meyer am Schluss kurz an, ohne sie aber zu vertiefen. Schade, man hätte sich mehr gewünscht, bekommt aber nur den Aufguss dessen, was seit gut 15 Jahren an Kritik an der Bahnreform von anderen und oft besser formuliert wurde.

Stefan Vockrodt

 

Maximilian Meyer:

Die gescheiterte Bahnreform

144 Seiten, kartoniert

Büchner Verlag: Darmstadt 2011

ISBN 978-3-941310-20-9, 19,90 €

 

 

 

Christian Marazzi

Verbranntes Geld

Aus dem Italienischen von Thomas Atzert

 

Von den Verursachern der Krise

Das aus dem Italienischen übersetzte kleine Buch, geschrieben von einem Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Scuola Universitaria della Svizzera Italiana (Lugano), ist ein eindrucksvoller und wichtiger Beitrag über den schwindelerregenden Anstieg der staatlichen Verschuldung, verursacht durch die internationalen Finanzkonzerne und die Ausbeutung des Steuerzahlers und des Staates, die sich den Bedürfnissen des abgewirtschafteten Finanzmarktes unterworfen haben. Es wurde, wie im Klappentext dargelegt wird, „eine Art Kommunismus des Kapitals“ errichtet, eine „Diktatur des Marktes“ über die Gesellschaft.

Verbranntes Geld ist eine Analyse der Finanzökonomie. Die globale Krise des Finanzkapitalismus ist nicht etwa eine unproduktive oder parasitäre Abweichung auf dem Weg zu mehr Wachstum. Zwischen Realwirtschaft und Finanzwirtschaft ist keine scharfe Trennung mehr zu ziehen, und der Kapitalismus ist längst nicht mehr mit Industriekapitalismus gleichzusetzen. Biokapitalismus und Wissenskapitalismus sind Entwicklungen, die verstanden werden müssen, auch für den politischen Umgang mit der Krise der Finanzökonomie.

Marazzi schreibt nicht nur über die Bankenkrise, die gerne als Staatsverschuldungskrise dargestellt wird, sondern er geht auch auf die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise ein, in der insbesondere die südeuropäischen Staaten zum rigorosen Sparen aufgefordert werden. Hier sollen nicht die Staaten wie Griechenland gerettet werden, so der Autor, sondern die deutschen und französischen Banken.

Um das Buch zu verstehen, ist ökonomisches Verständnis sehr hilfreich, denn es ist für ökonomische Laien nicht leicht verständlich. Es helfen ein Glossar am Ende des Buches und die zahlreichen Fußnoten mit Literaturverweisen, sofern man sich tiefer in das Thema, das uns alle betrifft, begeben möchte.

Uwe Meier

 

Christian Marazzi:

Verbranntes Geld

140 Seiten, Broschur

Diaphanes Verlag: Zürich 2011

ISBN 978-3-03734-175-9, Preis 14,90 €

 

 

 

Marcel Hänggi

Ausgepowert

Das Ende des Ölzeitalters als Chance

 

Ohne Öl leben

Dass fossile Ressourcen, insbesondere Erdöl, sich zum Ende neigen, ist bekannt und das Verbrennen dieser Ressourcen über die Erhöhung des CO2 in der Atmosphäre das Leben auf dem Planeten bedroht, ebenfalls. Wozu also noch dieses Buch?

Hänggi zeigt in diesem Buch auf, dass es nicht reicht, Energie „sauber“ umzuwandeln. Die Menschheit muss vielmehr ihr Verhältnis zur Energienutzung grundlegend ändern. Das wird in all unsere Lebensbereiche eingreifen, die wir für selbstverständlich erachten. Damit spannt Hänggi einen Bogen von den Erkenntnissen zur Klimaforschung, unserer Art, mit Technologie den Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen, hin zu grundlegenden sozialen und ökonomischen Erfordernissen, über die Änderungen zu bewirken sind. Wie wollen oder können wir in Zukunft leben, ist daher die entscheidende Frage, die der Autor stellt und zu beantworten versucht.

Dabei wird es auch um Verzicht auf die lieb gewonnenen, zunehmend langweilig werdenden Konsumgüter gehen. Aber müssen wir wirklich verzichten, und wenn ja, auf was? Gewinnen wir nicht lohnenswertere neue Lebensformen, vor allem mehr Freiheit? Sicher, es wird eine andere Gesellschaft sein, in der wir dann leben werden, aber wohl auch eine lebenswertere, in der ölgetriebenes Wachstum nach altem Muster der Vergangenheit angehören wird. Dabei wird hier keineswegs pauschal jegliches Wirtschaftswachstum kritisiert. Vielmehr geht es um ein nach lebenspraktischen, gesellschaftlichen und ökologischen Kriterien sinnvolles und legitimes Wachstum.

Uwe Meier

 

Marcel Hänggi:

Ausgepowert

364 Seiten, Klappenbroschur

Rotpunktverlag: Zürich 2011

Hrsg: Schweizerische Energie-Stiftung

ISBN 978-3-85869-446-1, 28,- €

 

 

 

Peter Wohlleben

Bäume verstehen

Was uns Bäume erzählen – wie wir sie naturgemäß pflegen

 

Seine Majestät, der Baum

Der Förster und Autor Peter Wohlleben liebt Bäume! Aus jeder Seite dieses Buches wird seine Zuneigung zu diesen majestätischen Lebewesen ersichtlich. Wohlleben  zeichnet die seltene Gabe aus, in diesem Buch aus der Praxis heraus wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrung, verbunden mit hoher Sensibilität und Respekt, Wissen um unsere Bäume zu vermitteln. Und das mit einfachen Worten!

Insofern hat er ein Lehrbuch geschrieben über Bäume; ein Buch für „Jedermann“ und „Jedefrau“, die an Pflanzen interessiert sind. Er weist auf die zahlreichen Besonderheiten von Bäumen hin, auf die wir tagtäglich, auch in unserem Hausgarten, stoßen. Der Autor beschreibt die Organe der Bäume, ihre Funktionen im Inneren und die Beziehungen der Bäume zu ihrer Umwelt. Er spricht all das an, was ein guter Beobachter aus ihnen zu lesen vermag. Insofern öffnet Wohlleben die Augen und auch die Herzen, denn Bäume sind nicht nur mit unseren Sinnen zu erfahren, sondern sprechen auch Gefühle an.

In dem Buch sind Porträts von Baumarten eingestreut. Darin werden diese näher beschrieben. Es enthält zahlreiche Schwarz-Weiß-Zeichnungen, die das Buch auflockern und Texte noch verdeutlichen. „Bäume verstehen“ wäre ein Buch für die Sängerin Alexandra, die einst sang: „Mein Freund der Baum“, und über den erfährt man viel, auch wie sie untereinander kommunizieren in einer Sprache, die wir erst langsam erlernen.

Uwe Meier

 

Peter Wohlleben:

Bäume verstehen

196 Seiten, Hardcover

Pala Verlag: Darmstadt 2011

ISBN 978-3-89566-299-7, 14,- €

 

 

 

Burkhard Bohne

Kräuterwissen aus alter Zeit

 

Petersilie, Suppenkraut wächst in unserm Garten …

Burkhard Bohne, Leiter des Arzneipflanzengartens der Technischen Universität Braunschweig und des rekonstruierten Klostergartens in Riddagshausen, hat ein neues Buch verfasst. Wieder sind Kräuterpflanzen das Schwerpunktthema, diesmal allerdings eingebunden in einen umfassenden gartengeschichtlichen Zusammenhang.

„Kräuterwissen“ behandelt die lange Geschichte des Kräuterwissens, seine Anwendung in der Heilkunde, bei religiösen Zeremonien und Riten und schließlich bei der Zubereitung der täglichen Nahrung.

Die Reise durch die Jahrtausende streift die hoch entwickelte Gartenkultur und Heilkunst Ägyptens und Mesopotamiens in vorchristlicher Zeit, wir erfahren nebenbei von den Nutzgärten und Kulturpflanzen der antiken Kulturen des Mittelmeerraumes, von den charakteristischen Pflanzen der Völker des biblischen Palästina und dem geheimnisumwobenen Kräuterwissen der keltischen Druiden.

Vom Kloster- zum Kräutergarten

Anschließend zeigt der Verfasser auf, wie sich der heutige Kräutergarten mit seinem Pflanzenbestand und seinen formalen Elementen aus den Klostergärten der Benediktiner- und Zisterzienserorden entwickelt hat. Wichtige Quellen, wie beispielsweise der Klosterplan von St. Gallen für die Lage und Zuordnung der klösterlichen Einrichtungen, einschließlich des Kräuter-, Gemüse- und Baumgartens, sowie mittelalterliche Arzneibücher und botanische Werke werden hervorgehoben.

Wie der heutige Kräutergarten beschaffen sein kann, was bei seiner Gestaltung zu berücksichtigen ist, zeigt der praktische Teil, die Einführung in die Grundlagen des Kräutergärtnerns, auf. Aus 43 „Kräuterportraits“, die in einem anschließenden Kapitel folgen, lässt sich das eigene Wunschsortiment problemlos zusammenstellen.

Das Buch ist optisch sehr stimmungsvoll gestaltet. Ein im Inhaltsverzeichnis eingeführtes Farbschema kennzeichnet die einzelnen Kapitel auch in ihrer weiteren Abfolge. Das geschieht, indem die in den laufenden Text eingefügten medizinischen oder kulinarischen Rezepte, tabellarischen Auflistungen sowie zusätzlichen Erläuterungen mit dem jeweils zugeordneten, an zarte Blütenfarben erinnernden Farbton unterlegt sind. Historische Abbildungen und eine Vielzahl sehr schöner Fotografien auch von Blüten- und Fruchtständen, von Kräuterpflanzungen vor Mauern oder Hauswänden, umgeben von Buchsbaumhecken oder Flechtzäunen, ziehen den Blick an und lockern den Text auf. Zur übersichtlichen Gestaltung trägt auch das Layout mit Text in Spalten bei.

Dennoch bleibt das Buch wegen der vielen Aspekte, denen es gerecht werden will, besonders im gartengeschichtlichen Teil, oberflächlich und erfüllt anspruchsvolle Erwartungen nicht. Aber geeignet ist es für Einsteiger, die ihren Traum von einem Kräutergarten im nächsten Frühjahr in die Praxis umsetzen wollen und gestalterischen Rat suchen.

Susanne Labus

 

Burkhard Bohne:

Kräuterwissen aus alter Zeit

176 Seiten, laminierter Pappband

194 Abbildungen

Franckh-Kosmos-Verlag: Stuttgart 2011

ISBN:978-3-440-12797-1, 16,95 €

 

 

 

Joachim Radkau

Die Ära der Ökologie

Eine Weltgeschichte

 

Zwischen Romantik und Realismus

Vor dem Rezensenten liegt ein dicker Wälzer: „Die Ära der Ökologie – eine Weltgeschichte“. Ganz unbescheiden behaupten Verlag und Autor, die Geschichte der Ökologie vollständig und umfassend abzuhandeln. So vermessen dieser Anspruch ist, und selbst wenn die „Ära der Ökologie“ abgeschlossen wäre, kein einzelnes Buch könnte diesen Anspruch erfüllen: Lesenswert und informativ ist das Kompendium, was Radkau zusammengetragen hat, allemal.

Schon in seinem einleitenden Kapitel stellt Autor Radkau klar, dass „Ökologie“ sich nicht in eine einheitliche Chronologie einordnen lässt, sondern sich global wie regional aus einer riesigen Zahl einzelner Facetten herausbildet – wobei die Vielfalt der Themen, Bewegungen, Handlungsweisen und Akteure Stärke wie Schwäche zugleich ist. Schon der Anfangspunkt ist schwer zu bestimmen, Radkau setzt ihn recht willkürlich: Er beginnt mit der Aufklärung, oder vielmehr, mit ihrer ökonomischen Begleitung, der Industrialisierung mit ihrer ersten großen Rohstoffkrise, der Holznot des 18. Jahrhunderts. Das wirklich erste große Kapitel widmet sich der „Umweltrevolution“ um 1970, als sich der Umweltschutz global zu etablieren begann, mit Deutschland übrigens nicht als Vorreiter, sondern eher als zögerlicher Nachahmer.

Über die großen Dramen der Umweltbewegung geht es allmählich zur heutigen Lage, wobei Radkaus Buch immer weiter zerfasert, der Autor verliert beim Versuch, alle Facetten in seinem Buch unterzubringen das große Ganze mehr und mehr aus dem Blick. Dies ist schade, denn so gehen viele Informationen und viele Fakten in der Fülle des Materials unter und manch Abschnitt erinnert mehr an eine Gesellschaftsklatschspalte denn an ein wissenschaftlich fundiertes Werk.

Trotz allem: Wer sich für die Geschichte der Umweltbewegung interessiert, macht mit diesem Buch nichts falsch, es sei denn man glaubt dem Titel, der viel mehr verspricht, als das Buch halten kann.

Stefan Vockrodt

 

Joachim Radkau:

Die Ära der Ökologie – eine Weltgeschichte

784 Seiten, gebunden

C.H.Beck: München 2011

21 Abbildungen

ISBN 978-3-406-61372-2, 29,95 €

 

 

 

Martin Voss (Hrsg)

Der Klimawandel

Sozialwissenschaftliche Perspektiven

 

Klimawandel als gesellschaftliches Phänomen

In seinem Vorwort zum vorliegenden Band schreibt der Herausgeber Martin Voss, Leiter der Katastrophenforschungsstelle Kiel (KFS): „Die Moderne scheute Unbestimmtheit wie der Teufel das Weihwasser. Aus der Katastrophensoziologie ist aber bekannt, dass maximales Scheitern dann am wahrscheinlichsten wird, wenn im Angesicht einer Bedrohung auch der Letzte die Augen vor der beängstigend unbestimmten Realität verschließt und der Wunsch nach einfachen Lösungen jede problemadäquate Analyse verdrängt.“ Mit diesen Worten umreißt Voss kurz den Stand in der Klimaschutzdebatte, denn die jetzt stärker in den Vordergrund drängenden „Geoingeneure“, die das problem mit technokratischen Ansätzen „lösen“ wollen, handeln genauso blind wie der Kapitüän der Titanic angesichts des Eisbergs – so ist die Katastrophe vorprogrammiert, denn einfache Lösungen gibt es nicht.

Das verdeutlicht auch dieses nicht einfache, aber lesenswerte Buch, dessen Beiträge den Klimawandel erstmals in einen nicht technisch-naturwissenschaftlichen, sondern soziologisch gesellschaftswissenschaftlichen Zusammenhang setzen. Bei den Autorinnen handelt es sich um Sozialwissenschaftler überwiegend aus dem deutschsprachigen Raum, die sich dem Thema aus sehr unterschiedlichen Perspektiven nähern. Als erster erhält der Polarreisende Arved Fuchs das Wort, der aus eigener Erfahrung beschreibt, welche Auswirkungen das schrumpfende arktische Eis bereits heute auf die indigenen Völker der Polarregionen hat. Da geht es nicht um den einsamen Eisbären auf der Scholle, sondern um das Wegbrechen einer jahrtausendelangen Lebensweise in weitgehendem Einklang mit der Natur. Dörfer rutschen ins Meer, Jäger müssen hinaus auf immer dünneres Eis und vieles mehr.

Die einzelnen Aufsätze des Bandes hat Voss in die fünf Hauptkapitel „Klimadiskurs“, „Klimawandel-Governance“, „Klimagerechtigkeit“, „Wahrnehmung des Klimawandels“ und „Anpassung an den Klimawandel“ eingeteilt. Man erfährt hierin viel über die Gründung des IPCC, das die USA kontrollieren wollten, was ihnen zum Glück nicht so recht gelang, lernt die zunehmende Bedeutung des Klimadiskurses in der Politik kennen und liest viel kritisches zum Beispiel über Emissionshandel. Im letzten Abschnitt versuchen die Autoren aufzuzeigen, die die bisher gebräuchlichen Deutungsmodelle angesichts der umfassenden und globalen Probleme, die der Klimawandel aufwirft, an Wert und Deutungshoheit verlieren. Ein grundlegender Deutungswandel stehe bevor, andere Autoren gehen noch weiter und weisen auf die Bedeutung von Glauben und Religion im Umgang mit Katastrophenszenarien hin, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel kaum thematisiert wird. Hier wird die Debatte derzeit noch überwiegend bis ausschließlich technisch-naturwissenschaftlich geführt und dadurch gefährlich verkürzt. Denn wie Voss abschließend schreibt, seien die Autoren des Bandes in einem Punkt sogar einig: „Ohne intensive sozialwissenschaftliche Forschung bliebe der Klimawandel unverstanden.  Um ihn zu verstehen, reicht es nicht, ihn in Formeln zu bringen.“ (Hervorhebung im Original) Verstehen, so Voss, sei vielmehr ein hermeneutischer Prozess, zu dem der Band viele Impulse gibt.

Stefan Vockrodt

 

Martin Voss (Hrsg):

Der Klimawandel

400 Seiten, Softcover

VS-Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010

ISBN 978-3-531-15925-6, 40,80 €

 

 

 

Christian Felber

Gemeinwohl-Ökonomie

Das Wirtschaftsmodell der Zukunft

 

Ein anderes Wirtschaftssystem ist möglich

Das eigennützige Streben nach schnellem finanziellen Gewinn führe zum Vorteil aller – wer sich schon immer fragte, wie dies funktionieren soll, jedoch nicht wagte, den Kapitalismus in seiner heutigen Form aus Mangel an Alternativen anzuzweifeln, dem sei das Buch „Gemeinwohlökonomie – Das Wirtschaftsmodell der Zukunft“ von Christian Felber empfohlen.

In einer kurzen Analyse werden die Widersprüche des Wirtschaftssystems mit unserer Lebenswelt, dem Umgang mit Familie, Freunden und Bekannten sowie dem Streben der Menschen nach „gelungenen Beziehungen“ dargestellt.

Davon ausgehend wird die Idee eines, den menschlichen Bedürfnissen angepassten, sehr umfassenden, Wirtschaftssystems entwickelt. Die abstrakte Zielsetzung der Kapitalakkumulation durch Marktmechanismen wird durch demokratisch legitimierte Zielsetzungen der Gemeinschaft, dem Ziel eines „Gemeinwohls“, ersetzt. Die Vorschläge, wie dies in den einzelnen wirtschaftlichen Bereichen umgesetzt werden kann, sind ausführlich, wenn auch teils für den Wirtschaftslaien zu wirtschaftlich, jedoch häufig auch durch alltägliche Erfahrungen nachvollziehbar beschrieben.

Wenn man der einfachen Parole „Mehr Geld ist besser – somit ist alles, was mehr Geld bringt, gut“ eigene Ziele und Werte entgegenstellt, wäre ein anderes souveräneres teilhabendes Verhalten des Einzelnen gefordert. Die Auswirkungen eines solchen notwendigen alternativen Verhaltens, die auch in den politischen Alltag weit hineinreichen würden, sowie die Machbarkeit werden in kritischer Weise betrachtet.

Nach den sehr theoretischen langen Ausführungen sind die weiter hinten im Buch aufgeführten Beispiele von Unternehmen, welche schon den Ideen der „Gemeinwohl-Ökonomie“ folgen und wie diese praktisch umgesetzt werden, ein sehr interessanter, äußerst lesenswerter Bezug auf die gegenwärtige Realität.

Das Buch war für mich eine willkommene Bestätigung, dass sich Menschen auch Gedanken machen – neben der meist dogmatisch vertretenen Alternativlosigkeit des Kapitalismus –, wie man das menschliche Miteinander auch im wirtschaftlichen und politischen Bereich gestalten kann. Es bietet viel Stoff für angeregte Diskussionen.

Aljoscha

 

Christian Felber:

Gemeinwohl-Ökonomie

160 Seiten, Softcover

Deuticke Verlag, Wien 2010

ISBN 978-3-552-06137-8, 15,90 €

 

 

 

Markus Zehnder, Beate Holderied

Das Klassenzimmer im Grünen

Leitfaden für ein Schuljahr mit Obstwiesen

 

Lernen auf Streuobstwiesen

Baden-Württemberg ist traditionell das Bundesland mit dem flächenmäßig größten Bestand an Streuobstwiesen. Erstaunt es deshalb, dass dort, im Zollernalbkreis 2009 ein in jeder Hinsicht – Aufbau, Text, Fotos, Illustrationen, Gestaltung – fachkompetentes, ansprechendes und begeisterndes Heft über Streuobstwiesen im Unterricht herausgegeben wurde?

Nein, eigentlich nicht.

„Das Klassenzimmer im Grünen – Leitfaden für ein Schuljahr mit Obstwiesen“ entstand auf Initiative des Kreisverbandes für Obstbau, Garten und Landschaft e. V. und des Landratsamtes Zollernalbkreis als modellhaftes Jahresprogramm. In Kooperation mit einer Grundschule wurden verschiedene Themen rund um die Obstwiese ein ganzes Schuljahr lang angeboten und erprobt. Die Unterrichtseinheiten, bestehend aus einem theoretischen und einem praktischen Teil, richten sich an Kinder im Grundschulalter, aber mit Sicherheit werden sich auch jüngere und ältere Kinder von den Anregungen und praktischen Aufgaben wie Baum pflanzen, Pflanzen bestimmen, Nisthilfen bauen, Apfelsaft pressen und Tierspuren suchen mitreißen lassen.

Inhaltlich vermittelt das Heft zunächst, der Zielgruppe entsprechend, grundlegende Kenntnisse über Streuobstwiesen, Arten und Sorten, Baumpflanzung und -schnitt, nicht zu vergessen die Insekten, ohne die es keinen Fruchtansatz gäbe. Danach geht es um den Lebensraum Streuobstwiese. Es werden die verschiedenen Wiesentypen mit ihren Pflanzen vorgestellt, auf die Bewirtschaftung der Wiesen wird eingegangen und die Tiere, die in einer Streuobstwiese leben, werden benannt.

Schließlich kommt der Herbst – die Zeit der Fülle – und nun geht es um Ernte und Verwertung. Die praktischen Tätigkeiten umfassen die Apfelernte, das Herstellen von Dörrobst und Saft verbunden mit dem Besuch einer Mosterei. So erleben die Kinder im Laufe ihres Schuljahres, wie quasi „vor der Haustür“ die Rohstoffe für gesunde Lebensmittel heranwachsen, welche Kulturmaßnahmen zur Erhaltung der Streuobstwiesen notwendig sind und wie Menschen, Pflanzen und Tiere in diesem Lebensraum zusammenwirken.

Der Praxisteil des Heftes informiert die Lehrpersonen genau über den Zeitaufwand, die benötigten Materialien und gibt Hilfen für die Durchführung und den Ablauf der vorgeschlagenen Aufgaben. Eine besonders schöne Idee sind die Buchtipps, die zu den verschiedenen Themen angeführt werden, darunter die Kinderbücher „Jakob Fischer – Der Schöne aus dem Oberland“ über die Entstehung der Apfelsorte „Jakob Fischer“ und „Die kleine Raupe Nimmersatt“.

Das Heft ist Leitfaden und Fundgrube für Schulen, Kindergärten und Vereine, die Kindern das Kultur- und Naturerbe nahebringen wollen, denn „das, was man als Kind kennen und lieben gelernt hat, ist man später auch bereit zu schützen!“

Susanne Labus

 

Markus Zehnder, Beate Holderied:

Das Klassenzimmer im Grünen

64 Seiten

Hrsg.: Landratsamt Zollernalbkreis

Obst- und Gartenbauberatung Kreisverband für Obstbau, Garten und Landschaft Zollernalb e. V. Balingen 2009

8,- €

Bezugsquelle unter www.obstbau-kompetenzzentrum.de/arbeitsbereiche/streuobst/broschuere-das-klassenzimmer-im-gruenen.

 

 

 

Thomas J. Mager (Hrsg.)

„Quo Vadis Privatisierung?!“

Rekommunalisierung kommunaler Leistungen – Königsweg oder Sackgasse?

 

Privat oder kommunal?

In den letzten 15 Jahren war die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen groß in Mode. Dies gilt besonders auch für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Dies nicht nur vor dem Hintergrund der rechtlichen Rahmenbedingungen, die von der EU gesetzt wurden, sondern auch angesichts immer größerer kommunaler Schuldenberge und leererer Kassen. Neben direkten Privatisierungen gab und gibt es auch diverse Spielarten Öffentlich-Privater-Partnerschaften (PPP; Public Private Partnership), die heute aber unter zunehmender Kritik stehen.

Der rührige Kölner Stadt- und Verkehrs-Verlag legt in dem vorliegenden Band „Quo Vadis Privatisierung?“ die gesammelten Beiträge einer Fachtagung vor, die bereits im Oktober 2009 in Berlin stattfand. Einleitend wird der rechtliche Rahmen abgehandelt, der es kommunalen Aufgabenträgern erlaubt, zwischen öffentlichen und privaten Anbietern zu wählen. Welche wesentlichen Kritikpunkte es an einer Privatisierung im ÖPNV gibt, wird dann am Beispiel der zahlreichen negativen Konsequenzen der Bahnreform erläutert. Allerdings findet sich auch ein Beitrag, der die Erfolge der Bahnreform aus Sicht der Deutschen Bahn aufzeigt.

Wie groß der Druck auf die Aufgabenträger in den letzten Jahren war, zeigt ein weiterer Artikel auf, der das Problem aus Sicht des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen darstellt: Der Konflikt zwischen dem Wunsch nach steigender Qualität einer- und sinkenden Preisen andererseits wird allzu oft auf dem Rücken der Beschäftigten und auch der Fahrgäste ausgetragen. Und – dass einstige Privatisierungen auch wieder rückgängig gemacht werden können (manchmal: müssen), stellen die Referenten am Beispiel der Potsdamer Wasserversorgung dar.

Insgesamt ein informativer, interessanter Tagungsband, der sich an ein Fachpublikum wendet, aber auch dem Bürger und interessierten Laien viel Information und auch Argumentationshilfe bietet.

Stefan Vockrodt

 

Thomas J. Mager (Hrsg.):

„Quo Vadis Privatisierung?“

112 Seiten, gebunden

zahlreiche SW- und farbige Abbildungen, Graphiken

ksv-Verlag, Köln 2010

Reihe „Beiträge zur Verkehrspraxis“

ISBN 978-3-94068-597-1, 29,- €

 

 

 

Frank Hüesker

Kommunale Daseinsvorsorge in der Wasserwirtschaft

Auswirkungen der Privatisierung am Beispiel der Wasserbetriebe Berlins

 

Zum Berliner Wasserstreit

In manchen Verlagen ist es üblich geworden, wissenschaftliche Abhandlungen in Buchform herauszugeben. Dazu gehört auch dieses Buch – es ist die Dissertation von Frank Hüesker, erstellt am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin.

Wie es sich für eine ordentliche Dissertation gehört, geht der Autor in der Einleitung zunächst auf die vorhandene Literatur im Hinblick auf den gesellschaftspolitischen Diskurs des Für und Wider der Privatisierungspolitiken ein. Schon diese die politischen Seiten der Privatisierung beleuchtenden Ausführungen machen die Arbeit im gesellschaftspolitisch geführten Diskurs wertvoll. Man könnte bedauern, dass sie so spät kommt. Aber es ist nie zu spät, weil die Debatte um die Re-Kommunalisierung der öffentlichen Daseinsvorsorge zunimmt.

Nachteil Aktualität

Auf die politische Dimension geht das Buch ausführlich, wie der Titel besagt, am Beispiel der Privatisierung der Berliner Wasserwirtschaft ein. Es mag ein Nachteil sein, dass die Arbeit in der Zeit der heftigen politischen Auseinandersetzungen und Politikänderungen geschrieben worden ist (2008–2009), weil das Thema Teilprivatisierung durch den Berliner Wassertisch eine erhebliche Dynamik bekommen hatte und für eine abzuschließende Arbeit schwierig zu handhaben ist. Doch nutzt der Autor diese politische Dynamik, um die gesellschaftliche Auseinandersetzung deutlich zu machen.

Die zweiteilige Hypothese der Arbeit lautet: „Privatisierungen führen zu keinem Rückzug des Staates, gefährden aber die Gemeinwohlfähigkeit des Daseinsvorsorgestaates“.

Nach grundlegenden Abhandlungen zu Herausforderungen des Staates durch Privatisierungen werden vier Kriterien zur Bewertung der Gemeinwohlfähigkeit des Daseinsvorsorgestaates entwickelt: „Flächendeckende dauerhafte Versorgung“, „gleichberechtigter Zugang“, „demokratische Prozesse“, „gerechte Kosten-/Gewinnverteilung und erschwingliche Preise.“

Die „flächendeckende dauerhafte Versorgung“ wird bewertet als eine „potenzielle gemeinwohlgefährdende Zerfaserungstendenz“. Für den „gleichberechtigten Zugang“ wird festgestellt, dass er „faktisch bestehen bleibt“, jedoch „die Herrschaftsausübung … privater Interessen willkürlicher geworden ist“. Bei dem Bewertungskriterium „demokratische Prozesse“ wird dargelegt, dass die Legitimität des Gesamtstaates nicht gefährdet wird, aber dass durch „private Akteure die legitimen Entscheidungen politischer Institutionen blockiert werden können und dass Schäden an der Staatsdimension Demokratie entstehen“.

Starke Zweifel sind angebracht, ob nach einer Teilprivatisierung noch die Wohlfahrt gesichert ist. „Die politische Korrektur kann nur noch dann den Zielen der gemeinwohlorientierten Politik des Staates folgen, wenn sie nicht den kommerziellen Interessen der Anteilseigner widerspricht.“

Basis für einen Diskurs

Diese wissenschaftliche Arbeit kann eine Grundlage für die konkrete politische Auseinandersetzung sein. Sie ist daher vor allem Kommunalpolitikern zu empfehlen, die sich eine eigene Meinung bilden wollen (was nicht selbstverständlich ist), abseits der Versprechungen und Verlockungen der neoliberal orientierten Finanzindustrie und entsprechend orientierter Entscheidungsträger in den Verwaltungen. Aber anstrengen müssen sich die Damen und Herren aus den Kommunalparlamenten schon, um dieses Buch zu verstehen. Es lohnt sich aber immer, eine eigene fundierte Meinung zu entwickeln – auch wenn es manchmal wehtut.

Uwe Meier

 

Frank Hüesker:

Kommunale Daseinsvorsorge in der Wasserwirtschaft

Auswirkungen der Privatisierung am Beispiel der Wasserbetriebe Berlins

354 Seiten, Softcover

Oekom, München, 2011

ISBN 978-3-86581-274-2, 39,95 €

 

 

 

Anke M. Leitzgen, Lisa Rienermann

Entdecke deine Stadt

Stadtsafari für Kinder

 

„Entdecke deine Stadt – Stadtsafari für Kinder“ ist ein bemerkenswertes Sach- und Mitmachbuch für junge Leserinnen und Leser ab zehn Jahre plus/minus. Es stellt den Lebens- und Erlebnisraum „Stadt“ als riesengroßen Spielplatz vor und macht das Entdecken der Stadtstrukturen und -funktionen zum Abenteuer.

Am Beginn des Buches steht die Aufforderung „Werde ein Stadtentdecker!“ und zum Schluss stellt es die Frage „Was macht mich zum Stadtexperten?“ Und Stadtexperten sind die Jungen und Mädchen allemal, wenn sie mit den Ideen, Informationen, Aufgaben und Tipps aus den sieben Kapiteln des Buches und mit allen Sinnen ihre Stadt erkundet haben. Sie haben Haustüren und Tore entdeckt und ihr Lieblingsexemplar ins Ideenbuch gezeichnet; sie haben nach interessanten Hausnummern gefahndet und eine eigene entworfen, aus der Vielzahl von Fenstern haben sie dasjenige fotografiert und eingeklebt, das ihnen ein ganz besonderes Zimmer versprach. Sie haben Straßenbeläge mit Papier und Wachsstiften abgepaust und dabei erfahren, dass die Entfernung von Kaugummi auf der Straße jedes Jahr rund 900 Millionen Euro kostet, sie haben Fundstücke von der Straße ausgestellt und mit der Kamera Gesichter eingefangen, die sich aus Mauervorsprüngen, Fenstern, Türen und Toren ergeben, sie haben Fotos von Häuserfronten zu einer Collage verarbeitet und sind auf virtueller Städtereise gewesen, haben zum Thema gebloggt und gepostet, gefilmt und vertont. Und sie haben garantiert ihre Wahrnehmung geschärft!

Mit informativen, kurzweiligen Sachtexten und Experteninterviews vermittelt das Buch Wissen über wichtige Inhalte der Stadt- und Raumplanung, zugeschnitten auf die angesprochene Altersgruppe. Immer wieder eingestreute Fragen spornen zur Auseinandersetzung mit dem behandelten Thema und zum eigenen Denken an. Aufforderungen zum aktiven Entdecken gibt es genug. Zwischen dem Eingangs- und Endkapitel werden die Stadtfunktionen Verkehr, Stadtgrün, innerstädtische Spiel- und Sportmöglichkeiten und Kunst in der Stadt vertieft. Auch diejenigen, für die dieses Buch gemacht ist, kommen zu Wort. Jungen und Mädchen erzählen in kurzen Porträts von ihren Lieblingsplätzen und Lieblingsbeschäftigungen in der Stadt. Die blinde Carina berichtet, wie schwer es für sie ist, sich in der Stadt zu orientieren und Luca darüber, wie er mit seiner Handykamera im Dunkeln durch die Straßen stromert und seine Stadt fotografiert.

Ausgestattet mit vielen tollen Fotos, einer aufregenden grafischen Gestaltung und einem farblichen Leitsystem, das durch die einzelnen Kapitel führt, hat das Buch alle Eigenschaften, zum Lieblingsbuch zu werden. Nicht zuletzt, weil es zeigt, wie neben dem klassischen kreativen Handwerkszeug Papier und Stift die digitale Kamera und das Handy mit seinen Bild- und Tonaufnahmefunktionen kreativ eingesetzt werden können. Und es verteufelt das Internet nicht, sondern zeigt auf, wie seine Möglichkeiten für schöpferisches Arbeiten und schöpferische Kommunikation genutzt werden können. Das Stadt-ABC am Ende erklärt einige wichtige und weniger geläufige Wörter zum Thema Stadt. Wenn es also in Zukunft um dieses Thema geht, werden all diejenigen, die auf Stadtsafari waren, nie wieder nur „Bahnhof“ verstehen.

Susanne Labus

 

Anke M. Leitzgen, Lisa Rienermann:

Entdecke deine Stadt

153 Seiten, gebunden

Beltz & Gelberg: Weinheim 2010

ISBN: 978-3-407-75351-9, 14,95 €

 

 

 

Heike Boomgaarden, Bärbel Oftring, Werner Ollig

Natur sucht Garten

35 Ideen für nachhaltiges Gärtnern

 

Nachhaltig Gärtnern

Jäten, graben, säen, ernten, ja sogar Rasen mähen ist „in“. Die Renaissance der Gartenarbeit als (wieder) legitime Freizeitbeschäftigung hält weiter an. Und wer zurück zur gestalteten Natur rund um die eigene Behausung möchte, der findet das ein oder andere neue Buch auf dem Markt, das ihm bei der Gartengestaltung hilft.

„Natur sucht Garten – 35 Ideen für nachhaltiges Gärtnern“ gibt eine ganze Reihe von Anregungen, wie ein Garten naturnah und ohne Chemie gestaltet werden kann. Das geht von der Regentonne für die Gartenbewässerung über umweltverträgliche Materialien für Gartenwege und -zäune bis zum Anbau alter Obst- und Gemüsesorten und dem Rat, immer mal einen Baum zu pflanzen. Es ist recht konsequent durchgehalten, dass ausschließlich Materialien aus der Region und heimische Sorten im Garten eingesetzt werden sollen.

Viele der Tipps sind auch für langjährige Garten-Arbeiter interessant. Allerdings wird jedes Thema nur kurz angerissen. Wer sich zum Beispiel eine Kräuterspirale aus Feldsteinen bauen und sie sinnvoll bepflanzen möchte, so dass sie mehrere Jahre die Würze für die Küche liefert, ist mit einer Doppelseite alleine nicht gut genug beraten. Im Detail braucht es für die Umsetzung hier weiterführende Literatur. Aber allein die Anregungen und Ideen sind wertvoll und die Texte zu den einzelnen Themen haben in ihrer Kürze trotzdem Inhalt. Fazit: Gelungene Mischung, das Buch macht Laune, noch nachhaltiger zu gärtnern als bisher.

Regina Bartel

 

Heike Boomgaarden, Bärbel Oftring, Werner Ollig:

Natur sucht Garten

144 Seiten, gebunden

180 Farbf., 5 Zeichn.

Eugen Ulmer, Stuttgart 2011

ISBN: 978-3-8001-7499-7, 19,90 €

 

 

 

Melanie von Orlow

Mein Insektenhotel

Wildbienen, Hummeln & Co im Garten

 

Wie man den Garten zum Brummen bringt

Ein Buch über den Bau von Insektennisthilfen und im ganzen Buch nur zwei konkrete Bauanleitungen? Gut so! Statt dem Leser vorzuschreiben, was nun auf den Zentimeter genau zu tun sei, damit es zukünftig in dessen Garten vor Wildbienen und Hummeln nur so brummt, erklärt Melanie von Orlow, was die Tiere brauchen.

Wer Wespen nur als stechwütige Angreifer kennt und Bienen nur in vom Imker gemachten Bienenstöcken vermutet, liegt falsch. Wildbienen sind Einzelkämpferinnen, die ihre Brut in hohlen Halmen gut versorgen und dabei enorm viele Blüten bestäuben. Viele Wespenarten interessieren sich kein bisschen fürs Menschen-Pieksen, sondern tun lieber etwas (für sie und uns) Nützliches: Sie fressen Insekten.

Der Leser erfährt, wie die Tiere leben, in welchen Materialien sie ihre Nester bauen und dass vor allem ein vielfältiger Garten ihnen ihre Nahrung liefert. Und ganz langsam – noch weit vor dem Bestimmungsteil, der ein zusätzliches Bestimmungsbuch überflüssig macht – kommt der Leser zu dem Schluss: Will auch! Und schon kann er losbasteln: Mit dem, was an Material zur Hand ist und ausreichend Wissen, wie 's ungefähr aussehen sollte, das eigene Insektenhotel.

Regina Bartel

 

Melanie von Orlow:

Mein Insektenhotel

192 Seiten, Klappenbroschur

200 Farbf., 15 Farbzeichn.

Eugen Ulmer, Stuttgart 2011

ISBN: 978-3-8001-5927-7, 14,90 €

 

 

 

Alys Fowler

Alys im Gartenland

Der eigene Garten – selbst gemacht

 

Das Gartenbuch von Alys Fowler liegt bei mir auf dem Tisch, bereit zur Buchbesprechung. Ein Verleger ist bei mir im Hause zu Gast, um ein Projekt zu besprechen. Aus beruflichem Interesse greift er sich das Buch wegen der ansprechenden Aufmachung, blättert es durch  und sagt: „Das ist ja ein schönes und solide gemachtes Buch, es sind viele ungewöhnliche Bilder drin und sehr verständliche knappe Texte.“Dem werde ich nicht widersprechen. Es ist ein Buch von hoher Anmutung, und die Texte sind tatsächlich von fundiertem Informationswert. Es ist vor allem auch ein praktisches Buch mit vielen Tipps. Es müssen nicht immer teure Töpfe und Kübel aus dem Gartenmarkt sein. Auch Joghurtbecher, Kanister und Dosen tun es bei der vegetativen und generativen Vermehrung von Pflanzen, auf die im Buch ausführlich eingegangen wird.Alys Fowler zeigt, wie man eine Regenwurmkiste baut, um Pflanzenreste zu fruchtbarem Wurm-Kompost zu verarbeiten und Gießkannen aus alten Kanistern bastelt. Alys macht viel selber, auch weil sie nicht immer alles kaufen will. Sie will sich absetzen von der Garten-Center-Shopping-Welt und so tauscht sie Pflanzen und vermehrt sie selber. Sie will den Lebenszyklus der Pflanzenentwicklung erfahren. Nicht das Gartencenter mit seinem Warenangebot steht im Mittelpunkt, sondern das Selbermachen mit einfachen Mitteln. „Gärtnern ist etwas, das man tut und nicht etwas, das man kauft.“ Und natürlich der gesunde Boden: Wie macht und wie erhält man ihn, welcher Dünger ist angebracht und wie kann man sich Naturdünger selber herstellen? Unendlich viele praktische und hilfreiche Tipps gibt einem „Alys“ in ihrem Gartenland, damit man Freude an seinem Garten hat. „Garten ist, was du daraus machst“, ist das Motto. Doch das Wichtigste ist, Zeit haben und sich Zeit lassen. Lieber öfter in Muße beobachten, genau hinsehen, auch kleine, fast unbedeutende Situationen mit allen Sinnen in Ruhe erfassen, kein hektischer Aktionismus. Den Garten als Leben genießen. Der Garten muss zum Freund werden, die Pflanze zur Freundin. Einen Garten fühlt man, er ist was Lebendiges, jedes Teil für sich ergibt ein Ganzes. Alys spricht vom „Slow Gardening“, von „Entschleunigung des Lebens“ und sieht ihre Kompetenz in ihrer Leidenschaft zu Pflanzen. Alys gibt eine goldene Regel mit auf den Gartenweg: „Die richtige Pflanze auf den richtigen Standort“. Ist doch eigentlich selbstverständlich, auch wir Menschen mögen nur Orte, an denen wir uns wohlfühlen. Der Unterschied: Wir können den Ort wechseln – Pflanzen aktiv nicht.Dieses liebevolle Gartenbuch hat alles an Informationen, was ein gutes Gartenbuch an Informationen hergeben muss, um erfolgreiches und stressfreies Gärtnern zu ermöglichen. Das im Kosmos-Verlag erschienene Buch lohnt sich, denn für wenig Geld wird mehr als Wissen, es wird eine Lebenseinstellung vermittelt. Man spart sich vielleicht einige teure Psycho-Bücher. Zum Schluss fragte ich mich noch, warum so ein Buch unbedingt in China gedruckt werden muss. Hätte es ein Druckerei-Kollektiv im Berliner Wedding – drittes Hinterhaus – nicht auch getan?

Uwe Meier

 

Alys Fowler:

Alys im Gartenland

192 Seiten, Klappenbroschur

200 Abbildungen

Franckh-Kosmos-Verlag: Stuttgart 2009

ISBN: 978-3-440-11805-4, 19,95 €

 

 

 

Hermann Scheer

Der energethische Imperativ

100 % jetzt: Wie der vollständige Wechsel zu erneuerbaren Energien zu realisieren ist

 

Der – Ende 2010 verstorbene – SPD-Politiker und Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer legt mit diesem Buch eine Art Vermächtnis vor. Klingt der Haupttitel sehr nach Immanuel Kant, so umreißt der Untertitel genauer, worum es dem „Solarpapst“ in seinem – leider – letzten Buch geht: „100 % jetzt: Wie der vollständige Wechsel zu erneuerbaren Energien zu realisieren ist“. Das Buch fasst noch einmal alles das zusammen, wofür Scheer in seiner langen Wirkungszeit stand: Umgestaltung der heutigen, zentralisierten und an Konzerninteressen orientierten Energiebedarfsdeckung aus nicht erneuerbaren und gefährlichen Rohstoffen auf dezentrale, an Bürgerinteressen orientierte und erneuerbare Formen. Dies bezieht erst einmal eine fundamentale Kritik am bestehenden System ein, die Scheer in seiner bekannten, plastischen und wortgewaltigen Art im ersten Teil des Buches vorstellt. Dann greift er propagierte „Lösungen“ wie Desertec, Super-Netzwerke (also auch neue Höchstspannungsleitungen) und andere großtechnische Phantasmen als das an, was sie sind: Phantasmen. Im letzten Teil entwirft er dann seine Vision einer auf erneuerbarer Basis stehenden Zukunftsgesellschaft.

Bei allem Guten und Richtigen, das Scheer schreibt, ganz aus seiner alten Technokratenhaut fand auch er nicht hinaus. So bleibt vieles seiner Kritik auf halbem Wege stehen und auch seine Visionen versuchen, den Lesern nicht allzu wehzutun, denn auch er hängt der Illusion an, ein Umstieg auf Erneuerbare sei gleichbedeutend mit einem dauerhaften neuen Wachstumsschub – woher die Rohstoffe für all die Hochleistungsbatterien, die zum Beispiel eine auf Elektroautos setzende Industrie braucht, kommen sollen, verrät er leider nicht. Ein Buch für alle, die erste Argumentationshilfen gegen ewig gestrige Atombetonköpfe suchen, ist das im Münchner Kunstmann Verlag erschienene Buch dennoch.

Stefan Vockrodt

 

Hermann Scheer

Der energethische Imperativ

240 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

Kunstmann Verlag: München 2010

ISBN: 978-3-88897-683-4, 19,90 €

 

 

 

 

Peter Hennicke, Susanne Bodach

Energierevolution

Effizienzsteigerung underneuerbare Energien als neueglobale Herausforderung

 

Wieder ein Buch, dessen Titel Fragen aufwirft, die im Buch selbst nur bedingt beantwortet werden. Die beiden Autoren, der frühere Präsident des Wuppertal-Instituts Peter Hennicke und die dort als Nachwuchswissenschaftlerin tätige Susanne Bodach, legen mit dem Untertitel ihres ebenfalls bei oekom erschienenen Werkes näher, worum es geht: „Effizienzsteigerung und erneuerbare Energien als neue globale Herausforderung.“ Es handelt sich also bei der getitelten Revolution eher um eine technische oder neue industrielle Revolution denn um eine gesellschaftliche. Auch sie schildern zuerst, dass sich heutige Strukturen nicht fortschreiben lassen, da sie nicht nachhaltig sind. Dann befassen sie sich mit der Frage der „Gerechtigkeit im Resourcen- und Umweltraum“, womit sie den Konflikt zwischen den im Übermaß vergeudenden Industrie- und den die Rohstoffe liefernden und arm gehaltenen „Entwicklungs“-Ländern meinen. Darauf stellen sie die Vision der „2.000-Watt-Gesellschaft“, die jedem Menschengenau diese Leistung zur Verfügung stellt. Ob das gerecht ist? Vieles von dem, was Hennicke und Bodach schreiben, ist altbekannt. Eswar schon bei Hennickes Vorgänger Ernst-Ulrich von Weizsäcker zu lesen („Faktor vier“) und es wird auch von den Apologeten des „Green New Deal“ propagiert. Ein Blick ins Buch lohnt aber allemal, es stellt in oft knapper, aber verständlicher Form Fakten und Zahlen vor und liefert damit ebenfalls Argumentationsgrundlagen – allerdings sollte man die Schlüsse der Autoren sehr kritisch hinterfragen.

Stefan Vockrodt

 

Peter Hennicke, Susanne Bodach

Energierevolution

160 Seiten, kartoniert

oekom verlag: München 2010

ISBN: 978-3-86581-205-6, 19,90 €

 

 

 

Hartwig Berger

Der lange Schattendes Prometheus

Über unseren Umgang mit Energie

 

Prometheus war jener Halbgott, der in der griechischen Mythologie den Göttern das Feuer stahl und den Menschen brachte. Ein früher, energetischer Robin Hood gewissermaßen. In dem im oekom-Verlag erschienenen Buch geht der Soziologe und Philosoph Hartwig Berger die Geschichte der menschlichen Energiebedarfsdeckung von einem ganz anderen Ansatz an: Er versucht, sich dem Thema von dem Begriff der „Gerechtigkeit“ her zu nähern. Seine erste Frage lautet: „Was ist gerecht im Klimawandel?“ Darf also ein Bewohner der Polarregionen nur die gleiche Menge CO2 emittieren wie jemand, der am Äquator wohnt? Ist das gerecht? Berger bezweifelt dies, wie er auch die bisherigen Maßnahmen zur Begrenzung des Klimawandels, darunter auch den Emissionshandel, grundlegend kritisiert. Mit weiteren Hauptkapiteln wie „Energiehunger und Solarwende“ oder „Energienutzung und Gesellschaftswandel“ zeigt er deutlich, dass für ihn nicht technische, sondern gesellschaftliche und politische Fragen und Entscheidungen darüber entscheiden, wie eine Gesellschaft ihren Energiebedarf deckt und ob eine Wende gelingen kann oder nicht. Bergers Buch ist quasi ein Kontrastprogramm zum technisch-ökonomischen Aspekt, der bei Hermann Scheer im Vordergrund stand. Das Buch ist zugegeben keine leichte Kost, es lässt sich nicht mal eben so nebenher lesen. Interessant sind Bergers Ausführungen aber allemal.

Stefan Vockrodt

 

Hartwig Berger

Der lange Schatten des Prometheus

214 Seiten, kartoniert

oekom verlag: München 2009

ISBN: 978-3-86581-129-5, 24,90 €

 

 

 

Alle Angaben zu den Büchern wurden von unseren Autoren sorgfältig und nach besten Wissen und Gewissen recherchiert.

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